Prof. Bontrup fordert grundlegende Veränderungen in der Volkswirtschaft

Harte Worte für die völlig aus dem Ruder gelaufene Volkswirtschaft fand Prof. Heinz J. Bontruup in Senden.

Laut kann er werden, der Professor. Er beklagt die Uninformiertheit und die mangelnde Einmischung des Volkes, das sich gegen die politisch gewollte Umverteilung nicht zur Wehr setzt. „Wo ist die Gewaltenteilung?“

Der Moderator J.F. Gogoll schreibt dazu:

Auf Einladung der Gruppen Agenda21Senden und Attac-COE hielt am 7.11. Professor Dr. Heinz J. Bontrup in Senden einen Vortrag unter dem Titel „Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander – Ursachen und Auswege daraus.“

Vor 60 Zuhörern im Gasthof Niemeyer`s hörte das Publikum Worte, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen.

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte der Ökonomie bis hin zu Adam Smith (18. Jahrhundert) informierte das Auditorium über einige wesentliche Erkenntnisse des Begründers der Ökonomie, was das Wesen des Kapitalismus ausmacht. Smith hatte schon damals klargestellt, dass die kapitalistische Wirtschaftsform effizient arbeite, was aber keineswegs bedeute, dass sie sozial sei oder gar für die gerechte Verteilung von Vermögen sorge.

Mehrwert werde durch Produktion und Dienstleistung geschaffen. Dieses Prinzip gilt auch heute in einer digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft.

Doch daraus ergebe sich nicht automatisch, so Professor Bontrup, dass auch die Mehrheit derjenigen, die durch ihre Arbeit diesen Mehrwert miterschaffen, davon ausreichend profitiere.

Natürlich könne er, Professor Bontrup, die UnternehmerInnen und Unternehmen verstehen, dass sie ihr eingesetztes Kapital so profitabel wie möglich einsetzen wollen und auch einsetzen. Das allerdings habe auch schon vor der Digitalisierung dazu geführt, dass Lohneinkommen auf verschiedene Art und Weise zum Vorteil der Arbeitgeber niedrig gehalten worden seien und werden. Verknappung von Arbeit durch Maschinen in den vergangenen letzten einhundert Jahren führte zu einer steigenden Zahl derjenigen, die nichts als ihre Arbeitskraft auf dem Markt anzubieten hätten und haben. Daraus folgte logischerweise, dass dieses Überangebot zu immer geringeren Löhnen führte und führt. Heute nenne man Millionen dieser Arbeitsverhältnisse „prekär“. Also wenig Einkommen bis teilweise unter die Armutsgrenze. Was hätten da die Unternehmen gejammert, als die Mindestlöhne auch in Deutschland eingeführt wurden. Der Untergang unserer Wirtschaft sei deswegen als Menetekel an die Unternehmenswände geschrieben worden. Alles das war, wie damals schon zu erwarten war, nur Propaganda gegen die Mindestlöhne. Dass man allerdings diese Löhne so niedrig hielt, unter 9,- Euro zu Beginn, habe aber geringen Einfluss auf die steigende Armut breiter Bevölkerungsschichten gehabt.

Professor Dr. Bontrups Vorschläge für ein wirksames Bekämpfen der Armut und für ein gerechteres Verteilungssystem waren unter Anderem das schnellstmögliche Bekämpfen von Lobbyisten nicht nur in Berlin, sondern auch in Europa, um diesen schädlichen Einfluss auf die Regierungsarbeit zu beseitigen.

Ein weiterer Punkt mehr Verteilungsgerechtigkeit herzustellen, sei die Stärkung von Gewerkschaften als einzige natürliche Interessenvertreter der Arbeitnehmer. Professor Bontrup schlug eine Verpflichtung der Arbeitnehmer zum Eintritt in eine Gewerkschaft vor. Als Unterstützung für seine Forderung nannte er auf der anderen Seite die heute schon vorhandene Tatsache, dass die Arbeitgeber Pflichtmitglieder in den jeweiligen Industrie- und Handelskammern sein müssen. Wirksam sei es auch, wenn Bürger ihren jeweiligen Parlamentsvertretern häufiger Besuche abstatten würden, wenn sie mit deren politischen Zielen und Absichten nicht einverstanden wären. Auch würde es bei politischen Entscheidungen zu Änderungen führen, wenn Wähler nicht immer die gleichen Parteien wählen würden, die im Bereich von Vermögensumverteilungen nichts ändern wollen, sondern gezielt anders wählen würden. Auch wenn einige der Vorschläge heute noch an Utopien erinnerten, seien auf diesen Wegen herbeigeführte Änderungen möglich. Nötig seien sie allemal. Nach dem Ende des Vortrages gab es noch intensive Diskussionen und Fragen zu dem Thema. Bis zum Ende der Veranstaltung konnte man das lebhafte Interesse der Zuhörer sehen und hören. Moderator Joachim F. Gogoll konnte am Ende Professor Bontrups Zusage zu einem weiteren Vortrag im Frühjahr 2020 gewinnen.

Hier noch ein paar genannte Fakten:

  • 16% der Bevölkerung leiden unter Armut
  • Jedes 5. Kind in Deutschland ist arm
  • Jeder 4. verdient unter 10,80 € pro Stunde
  • Die Durchschnittsrente beträgt etwa 800 €
  • Acht Menschen gehört die Hälfte der Welt
  • Die reale Arbeitslosenquote liegt bei 13 bis 14%, die veröffentlichten Werte sind schön gerechnet
  • Bereits 1968  besitzen 4% der Menschen 87%  von Deutschland
  • Nach Alfred Rappaport ist im Shareholder Value (Aktionärs-Wert) der Lohn nur eine Restgröße
  • Hans Tietmeyer stellte bereits 1996 fest, dass die Finanzmärkte die Macht haben mit einer sechs- bis siebenfachen Überschuss-Liquidität
  • Während 1993 die Lohnquote noch  bei 72,4% lag (der Rest ist der Mehrwert),  wurden den Beschäftigten bis 2018 1,8 Billionen € weggenommen.
  • Die Arbeitnehmer haben sich entmachten lassen, indem die Gewerkschaften schwach geworden sind. Starke Gewerkschaften sind aber nötig, da sonst kein Gleichgewicht zwischen Unternehmern und Lohnabhängigen besteht. Bei 40 Mio. Lohnabhängigen gibt es nur noch 6 Mio Gewerkschaftsmitglieder, die Gewaltenteilung ging verloren. Die Nichtmitglieder sind Schmarotzer, eine Pflichtmitgliedschaft würde für mehr Gerechtigkeit sorgen, die primäre Verteilung der Wertschöpfung gehört in einen Tarifvertrag.
  • In der Steuerpolitik müssten regulierende Staatsausgaben durch Steuereinnahmen gedeckt sein. Stattdessen gibt es weltweites Steuerdumping, öffentliches Gut wurde zerstört.
  • Der Grenzsteuersatz in der Einkommenssteuer liegt mit 42% viel zu niedrig. Vermögenssteuer,  Erbschaftssteuer und Körperschaftssteuer müssen die Einnahmen erhöhen. Die schmutzigste Steuer ist die Mehrwertssteuer, da sie – immer gleich – beim kleinen Mann  viel stärker ins Gewicht fällt
  • Betriebe mit weniger als 50 Mio. Jahresumsatz haben eine Profitrate von 40 / 35%, große Konzerne dagegen verblüffenderweise nur 16,7 / 13,9%. Kleinbetriebe arbeiten dagegen nur mit geringem Profit
  • Das Primat der Politik ist verloren gegangen. 1400 Lobbyisten haben freien Zugang zum Bundestag. Jeder Politiker sollte offenlegen, ob und warum er dafür gestimmt hat. Diese Politiker sollten abgewählt werden. Ursachen der Armut können in der Demokratie nur bekämpft werden, wenn sich der Wähler schlau macht und sich einmischt.

Joachim F. Gogoll, der den Abend moderiert hatte, bedankte sich bei Prof. Bontrup mit einem Präsent. Der hatte an seinem zahlreichen Publikum, das ihm offenbar konzentriert zuhörte, obwohl er es manchmal hart beschimpfte, Gefallen gefunden. Spontan verzichtete er auf sein Honorar und versprach, im nächsten Jahr wieder zu kommen. „Hier muss man ja noch ganz dicke Bretter bohren“, war sein Kommentar im schwarzen Münsterland. Und das macht er offenbar gerne. Dass eine andere Welt nötig ist, wird in Diskussionen zunehmend deutlich. Eine Demokratie, die für ihre vielfältigen Probleme keine Lösungen mehr findet, muss dringend reformiert werden.

Agenda-Sitzung am 13. November 2019 (geänderte Tagesordnung)

   Geänderte Einladung zum 13. November 2019

Achtung Änderung!!! Die Einladung zum Treffen mit Sendener Landwirten hatten wir laut Protokoll zum 11.12. ausgesprochen.
Die nächste reguläre Sitzung der Agenda21Senden findet am Mittwoch, den 13. November 2019, ab 18.30 Uhr im Besprechungszimmer oben im Treffpunkt statt. Dringend muss einiges Organisatorische besprochen werden:

* die Baumaktion (Flyer, Plakate, Sammelboxen, Zertifikate etc., Pflanz-Einsatz im Hiegenbusch, Beteiligung des Kindergartens, Organisation Advents-Markt)

* den Engelhardt-Vortrag, Thema: Vom Klimawandel in die Klimakatastrophe

* die Mobilmachung für den musik.-lit. Abend am 23. Nov., Thema: Krieg? Ohne uns! Militärstreik und Desertion

* die Aktion Sendener Leihrad

* die Aktion Mitfahrerbänke konkret

* Vortrag über Bienen und Naturschutz

* Adventsessen

* Verschiedenes, Besucher-Anliegen

 

Übrigens gibt es agenda21senden jetzt auch auf Facebook.

Und dann am 11.12. das Thema Landwirtschaft

Wie schon lange angekündigt ist das Treffen im Dezember dem Dialog mit den Sendener Landwirten gewidmet. Nach den Waldexperten sollen dann die Landwirte gehört werden, die sich um die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft Sorgen machen. Es soll um Ideen gehen, wie die Landwirtschaft nachhaltiger werden kann. Wie lassen sich CO2-, Methan- und Ammoniak-Emissionen minimieren im konventionellen und im Öko-Landbau? Welche gesetzlichen Vorgaben sind nötig, damit die Bauern ihre Zukunft verlässlich planen und von ihrer Arbeit gut leben können? Die Verantwortung der Erzeuger für eine gesunde Ernährung, für saubere Luft und sauberes Wasser soll dabei im Vordergrund stehen. Wie kann die Landwirtschaft zum dringend nötigen Klimaschutz beitragen, ist eine der wichtigen Fragen, die erörtert werden sollen. Farmers for Future, zukunftsfähige Landwirtschaft, wer fühlt sich angesprochen? Darüber hinaus sind noch einige organisatorische Fragen zu klären zu den laufenden Projekten und zu den geplanten öffentlichen Veranstaltungen.

 

 

Das Projekt „Sendener Leihrad“ macht Fortschritte

Diese Phasen sind vorbei:

  • Aussuchen der Räder
  • Auseinanderbauen
  • Blech für Werbeflächen suchen

    Vom Dach der Steverhalle an die Leihräder. Wenn das nicht nachhaltig ist.

  • Farbe von Sponsor BRiLLUX besorgen
  • Spritzen der Rahmen

    Mit der Grundierung wirken die Rahmen wie Gespenster.

Unser Fachmann Sven hat sie dann in den Sendener Farben gespritzt.

  • Zusammenbauen der Räder – läuft zur Zeit, ist viel Arbeit, Helfer werden gesucht.

    Das Zuordnen der Teile war eigentlich gut organisiert, Petra hatte den Durchblick.

    Thomas und Frank haben sich an diesem Arbeitsplatz die Hände schmutzig gemacht.

    Frank war offensichtlich der Fleißigste. Das wichtigste Werkzeug hat er immer in der Tasche.

 

Der deutsche Wald im Klimawandel – Umdenken auch hier

Die hitze- und dürregetriebene Waldkrise in Deutschland erreichte ihren nationalen Gipfel, und
endlich ist wieder Herbst. Inzwischen gibt es viele Tage, an denen nicht in allen Medien über den Wald und seinen Zustand berichtet wird. Endlich erscheint es akzeptabel, dass sich das Laub der Bäume verfärbt und zu Boden fällt. Es beginnt die Pause für die Natur, aber auf den Waldflächen entfaltet sich allenthalben forstliche Aktion. Erst im nächsten Jahr wird dann offensichtlich sein, wie viele Bäume durch den Doppelschlag der Extremsommer 2018 und 2019 tatsächlich geschädigt wurden. Leider ist davon auszugehen, dass das Problem deutlich größer sein wird, als bis es bis vor kurzem absehbar war.
Weiterlesen unter:

file:///C:/Users/Lieneweg/Downloads/pierre-l-ibisch-joerg-sommer-der-wald-deutschlands-im-klimawandel%20(1).pdf

„Der dritte Weltkrieg hat begonnen“ – Übung Fallex 66

Das Bundespresseamt hatte diesen Text für Bundespräsident Lübke anlässlich der Nato-Übung „Fallex 66“ entworfen. Generalmajor Bergmann wies bei der Begehung  des ehemaligen Sondermunitionslagers auf diese Rede hin, die der Bundespräsident halten sollte, wenn es zum Dritten Weltkrieg gekommen wäre. Hier der Wortlaut:

„Meine lieben deutschen Landsleute diesseits und jenseits der Demarkationslinie, Soldaten der Bundeswehr. Der Friede ist in äußerster Gefahr. Heute früh haben Einheiten der sowjetzonalen Volksarmee die Demarkationslinie überschritten und erste Kampfhandlungen ausgelöst. Das ist ein Bruch des Völkerrechts. Die Aggression richtet sich nicht nur gegen uns, sondern gegen alle mit dem deutschen Volk verbündeten Mächte der Welt. Nichts haben wir in den letzten Wochen unversucht gelassen, um den Frieden zu sichern … In dieser schweren Stunde stehen wir alle zusammen.

Die Kraft, dem Unrecht und der Gewalt zu widerstehen, erwächst aus unserer Gewissheit, den Frieden leidenschaftlich gewollt und den Ausgleich gesucht zu haben. Wir sind den Weg der Verständigung bis zuletzt gegangen, dafür ist die Welt unser Zeuge. Nun, da die Waffen sprechen, ist es auch dem letzten Zweifler offenbar, wer den Krieg will. Noch haben wir aber nicht die letzte Hoffnung aufgegeben, dass die Vernunft doch noch Oberhand behält …

Wir stehen in einem weltweiten Bündnis. Unsere Freunde sind an unserer Seite. Das muss dem ganzen deutschen Volk bewusst sein, vor allem auch Ihnen, meine lieben Landsleute jenseits der Elbe. Wir wissen, dass Sie zu Freiheit und Recht stehen. Wir wissen, dass die Mehrheit unserer mitteldeutschen Jugend die Uniform Ulbrichts nicht aus Überzeugung trägt.

Lasst uns in dieser Stunde der Gefahr zusammenstehen, dass der Friede doch noch gerettet, dass die gemeinsame Freiheit doch noch errungen werden kann. Nicht nur wir, Europa darf diesem schändlichen Anschlag nicht unterliegen. Das Recht ist auf der Seite der freien Welt. Zusammen mit unseren Verbündeten sind wir stark. Jeder kann sich auf den Schutz der Bundeswehr und aller öffentlichen Organe verlassen.

Wir werden im Kampf um das Leben und die Freiheit unserer Kinder ein Beispiel jenes Mutes und jener Tapferkeit geben, die unserem Volke eigen sind. Es lebe Deutschland, es lebe Europa, es lebe die Freiheit.“

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL.

Vorgeschichte (aus WIKIPEDIA)

Eingang zum Bauteil West-Ost des Regierungsbunkers

FALLEX 66 hatte einen sehr politischen Hintergrund, da bei dieser Übung auf Wunsch der Bundesregierung erstmals bundesdeutsche Politiker aktiv beteiligt waren. Die Bundesregierung nahm die sich bietende Gelegenheit wahr, um die seinerzeit noch nicht verabschiedeten und sehr umstrittenen Notstandsgesetze zu erproben.

Um die Übung realistischer scheinen zu lassen, wurde der Gemeinsame Ausschuss Ueb (übungshalber) im für den Fall eines Atomkrieges vorgesehenen Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes für Krise und Krieg (AdVB) in Marienthal untergebracht.

Beteiligt an FALLEX 66 waren über 1.200 Ministerialbeamte und Militärs und 44 Bundestagsabgeordnete, darunter auch Innenminister Paul Lücke (CDU) als Bundeskanzler Ueb. Ziel der Übung war nicht zuletzt, Bedenken der SPD-Abgeordneten gegenüber den Notstandsgesetzen auszuräumen und ihnen einen Einblick in die Regierungsverantwortung zu geben, um so die Zwei-Drittel-Mehrheit für die erforderliche Grundgesetz­änderung zu beschaffen. Aus diesem Grund wurde die Große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger und Willy Brandt später auch „Bunkerkoalition“ genannt.

LWL macht Strich durch Ökopunkte-Rechnung – Denkmalschutz für die gesamte Anlage?

DZ, 23.02.2019

LWL macht Strich durch Ökopunkte-Rechnung – Munitionsdepot als Baudenkmal

Dülmen. Eigentlich hatte Bürgermeisterin Lisa Stremlau im Kulturausschuss das Alternativkonzept der Stadt zum Thema Gedenkstätte Visbeck vorstellen wollen. Doch dazu kam es nicht.

Von Markus Michalak, Freitag, 22.02.2019

Zeitzeugen aus Stahl und Beton könnten schon bald unter Denkmalschutz gestellt werden. Foto: Michalak

Wie berichtet, will die SPD das ehemalige US-Munitionsdepot dort für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Also etwa zehn Prozent des gesamten Militärareals, das zum größten Teil (bis 1996) von der Bundeswehr genutzt worden war. Die Stadt hatte das 17 Hektar große Grundstück ursprünglich für eine Million Euro gekauft, um dort Ökopunkte erwirtschaften zu können. Diese braucht sie dringend für jede Baumaßnahme als ökologischen Ausgleich.

Der SPD-Antrag hatte zwischenzeitlich einige Aktivitäten in der Stadtverwaltung ausgelöst. „Allein die zeitliche Einordnung und der Baukörper haben erst einmal keinen Anlass gegeben, die Frage nach einer Denkmalwürdigkeit aufzuwerfen“, erklärt Stadtsprecherin Nina Wischeloh der DZ. Die Frage der Denkmalwürdigkeit sei tatsächlich erst mit dem politischen Antrag der SPD aufgeworfen worden. „Eine erste Prüfung durch die Stadt führte zu der Einschätzung, dass eine Beteiligung des LWL zu erfolgen hat“, ergänzt Wischeloh.

Das – vorläufige – Ergebnis der LWL-Begehung dürfte ein ziemlicher Schock für die Stadtverwaltung gewesen sein: Die Denkmalschützer halten es für gut möglich, dass nicht nur das kleine US-Areal, das die SPD zur Gedenkstätte machen wollte, sondern das gesamte Gelände, inklusive aller Bundeswehr-Bereiche, unter Denkmalschutz gestellt wird. „Die Kooperation zwischen Bundeswehr und US-Army ist wohl ziemlich einzigartig“, erklärt SPD-Fraktionschef Olaf Schlief, der als Antragssteller bereits Einblick in die erste Einschätzung des LWL nehmen konnte.

Friedensaktivisten mit Generalmajor a.D. Bergmann im Munitionsdepot Visbeck unterwegs

**General Robert Bergmann führt als Zeitzeuge die interessierte Gruppe.  Foto: Heiner Kiekebusch

Johannes Waldmann hält Ausschau. Fotograf in Sicht! Der Schnappschuss ist ein Treffer.  Foto: Heiner Kiekebusch

Friedensfreunde Dülmen: Vom ersten Tag haben die Dülmener Friedensfreunde die Initiative der SPD Dülmen unterstützt, das frühere Sondermunitionsdepot Visbeck als Erinnerungsort an den Wahnsinn des Kalten Krieges zu erhalten, in dem beim Einsatz von Atomwaffen genau das zerstört worden wäre, was eigentlich verteidigt werden sollte. Deshalb hatte sich der Vereinsvorstand bemüht, so rasch wie möglich eine Führung durch das Gelände zu bekommen. Am 25. Oktober war es dann soweit: Elf Aktivist*innen aus Nottuln und Senden, aus Ascheberg und Dülmen ließen sich von Ex-Generalmajor Robert Bergmann das frühere Sondermunitionslager zeigen. Nur 5 km vom Dülmener Stadtzentrum wurden hier bis 1996 nukleare Granaten gelagert, die im Ernstfall von deutschen Feldhaubitzen M 110 und Panzerhaubitzen M 109 mit deutscher Bundeswehrbesatzung abgeschossen worden wären. Robert Bergmann, der in vielen Funktionen in der Bundeswehr gearbeitet hat und auch lange Standortchef in Visbeck war, konnte den Friedensaktivisten mit vielen Details und Anekdoten Anschauungsunterricht geben, wie martialisch und aufwändig die Lagerung nuklearer Munition war. Fragen und Diskussionen zwischen Friedensfreunden und einem führenden Offizier waren sachlich und interessiert. Die Dülmener Friedensfreunde bleiben gerade nach der Besichtigung dabei, dass hier ein Erinnerungsort an den Kalten Krieg geschaffen werden muss, der auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. 

Weitere Informationen auf der Webseite: www.friedensfreundeduelmen.eu

Robert Hülsbusch, FI Nottuln:  In den 1980er Jahren demonstrierten und blockierten auch
Mitglieder der Friedensinitiative Nottuln (FI) das Atomwaffenlager
Visbeck – 5 km südlich von Dülmen. In der vergangenen Woche hatten
Heinz Böer sowie Ulla und Robert Hülsbusch von der FI zum ersten Mal
die Gelegenheit, das Munitionslager von innen zu sehen. Zusammen mit
weiteren Friedensaktivisten aus Senden, Ascheberg und Dülmen ließen
sie sich von Ex-Generalmajor Robert Bergmann das frühere
Sondermunitionslager zeigen. Bis 1996 wurden hier nukleare Granaten
gelagert, die im Ernstfall von deutschen Feldhaubitzen M 110 und
Panzerhaubitzen M 109 mit deutscher Bundeswehrbesatzung abgeschossen
worden wären. Robert Bergmann, der in vielen Funktionen in der
Bundeswehr gearbeitet hat, aber auch lange Standortchef der St.
Barbara-Kaserne Dülmen war, konnte den Teilnehmern der Führung mit
vielen Details und Anekdoten Anschauungsunterricht geben, wie
martialisch und aufwändig die Lagerung nuklearer Munition war. Die
Reichweite der Atomgranaten betrug damals rund 20 Kilometer. Die
atomaren Sprengköpfe wären also auf jeden Fall – im Kriegsfall wären
die Einheiten nach Osten verlegt worden – auf dem Gebiet der
Bundesrepublik niedergegangen und hätten dort verheerende Wirkungen
gehabt. Die Nottulner fühlten sich nach dem Besuch bestätigt. Ulla
Hülsbusch: „Es war richtig, damals gegen das Atomwaffenlager in
Dülmen zu demonstrieren und es ist richtig, sich heute für die
Abschaffung aller Atomwaffen zu engagieren.“ Vor kurzem noch – so erfuhr
die FI – trainierten US-Truppen gemeinsam mit der Bundeswehr in der
jährlichen Militärübung „Steadfast Noon“ den Atomkrieg über
Deutschland. Die Bundeswehr setzte dabei Tornados und Eurofighter ein.
Trainiert wurden die Einsatzbereitschaft und die Fähigkeit zur
Zusammenarbeit zwischen den europäischen Militärs und der in Europa
stationierten US-Air Force-Kräfte. Heinz Böer: „Das ist doch
Wahnsinn. Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass auch die letzten
Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden!“ Das ehemalige
Atomwaffenlager Visbeck soll – so Robert Bergmann – Ausgleichsfläche
für städtebauliche Maßnahmen der Stadt Dülmen werden. Der
Landschaftsverband Westfalen Lippe möchte gerne eine Gedenkstätte aus
diesem Lager machen. Dies unterstützen auch die Friedensgruppen im
Kreis Coesfeld. Dr. Michael Stiels-Glen, Dülmener Friedensfreunde:
„Wir wollen, dass das Lager hier ein Erinnerungsort an den Wahnsinn
des Kalten Krieges wird.“

Mitglieder von Friedensgruppen aus dem Kreis Coesfeld erhielten durch Generalmayor a.D. Robert Bergmann (mit Schal) eine Führung durch das ehemalige Atomwaffenlager Visbeck. Foto: Vor dem Eingang eines Bunkers, in dem Atomgranaten gelagert wurden. Die Käfige vor den beiden Atombunkern stellten wahrscheinlich einen Schutz vor einem Angriff mit strahlenden Geräten dar, mit denen man die Steuerungssysteme hätte beeinflussen können mutmaßt Robert Bergmann.

Heiner Kiekebusch, SPD Dülmen: … Besichtigung des Sondermunitionsdepot Visbeck. Dank an die Friedensfreunde Dülmen, die Friedensinitiative Nottuln, unsern „Fremdenführer“ General a. D. Bergmann und die Stadt Dülmen.

Johannes Waldmann, SPD Ascheberg: … haben … das „Sondermunitionslager Visbeck“ mit den Friedens Freunde Dülmen e.V. besichtigt. Ein Besuch (an einem Ort), der nachdenklich stimmt und als Geschichtsort erhalten werden kann!

Foto: Heiner Kiekebusch

Bernd Lieneweg, Agenda21Senden: Als Vertreter des Friedenskreises innerhalb der Agenda-Gruppe habe ich auch an der spannenden Führung mit dem Zeitzeugen Robert Bergmann teilgenommen. Solche Führungen sollte man häufiger durchführen als nahtlosen Übergang zur Einrichtung eines Museums für den Frieden. Hier wird überdeutlich, dass ein mit solchen Mitteln geführter Krieg völlig sinnlos ist, Massenvernichtung auf beiden Seiten bringt und nicht zum Frieden und zur Völkerverständigung führen kann. Leute wie General Bergmann haben das sicher gewusst. Ob der immense Aufwand der atomaren Abschreckung zur Kriegsvermeidung beigetragen hat, bleibt eine unbeantwortete Frage. Der Erhalt der Visbecker Anlage als Mahnmal ist sicher sinnvoll.

„Lagebesprechung“ mit Generalmajor a.D. Robert Bergmann.   Foto: Johannes Waldmann

Ältere Beiträge aus der DZ: 

Auf Streife mit dem Generalmajor
DZ-Sommertour führte nach Visbeck

Dülmen. Für Hubert Kellerhaus ging es auf Zeitreise: Er und seine Begleiter erkundeten bei der DZ-Sommeraktion das Munitionsdepot in Visbeck. Mit dabei war Robert Bergmann, der so manches Geheimnis über die Anlage verriet.

Von Kristina Kerstan, Montag, 22.07.2019

Exklusive Einblicke (und Überblicke vom Wachturm aus, Foto) in der Munitionsdepot in Visbeck erhielten die DZ-Leser. Foto: Kerstan

 

Hände hoch – und dann durch die Botanik. Denn zwischen den beiden Betonwällen, die den Soldaten einst Schutz bieten sollten, hat das Gestrüpp mittlerweile eine staatliche Größe erreicht. Früher unvorstellbar: Zweieinhalb Zentimeter, höher durfte das Gras hier nicht wachsen, weiß Robert Bergmann.„Ich möchte Ihnen deutlich machen, wie Dülmen in die Weltgeschichte, in die deutsche Geschichte eingegangen ist“, hatte der Generalmajor a.D. Hubert Kellerhaus und seinen Begleitern angekündigt – und damit nicht zu viel versprochen.

Auf Zeitreise mit dem Generalmajor

Denn durch seine anschaulichen Erzählungen wird bei der Führung durch das frühere Munitionsdepot Visbeck tatsächlich die Zeit des Kalten Krieges lebendig. Die exklusive Tour hatte Kellerhaus bei der ersten Runde der DZ-Sommeraktion gewonnen.

Wobei in Wahrheit Christel Grzybek, die auf dem Hof der Familie Kellerhaus wohnt, den Coupon in seinem Namen ausgefüllt hatte. Und so gehört die 83-Jährige natürlich mit zur Gruppe.

Bundeswehr nutzte 25 Bunker

Die nimmt Bergmann zunächst mit auf Streife. „Hier Wache zu schieben gehörte nicht zu den angenehmsten Dingen im Leben“, sagt er lachend mit Blick auf das 17 Hektar große Gelände. Eingeteilt war das Munitionsdepot in zwei Bereiche. Gebaut Mitte der 60er-Jahre, parallel zur St.-Barbara-Kaserne, lagerte hier im größeren der beiden Teile die Munition für die Soldaten in Dülmen. Insgesamt 25 Bunker nutzte die Bundeswehr.

Aufstieg auf den Wachturm

Über die frühere Sicherheitsschleuse ist schließlich das amerikanische Lager erreicht. Hier geht es durch die zugewucherten Stellungsanlagen, in einen der zwei Bunker (Besonderheit am Eingang: ein faradayscher Käfig als Schutz vor elektromagnetischen Impulsen) und dann noch hoch hinauf auf den Wachturm.

Oben bietet sich durch die kugelsicheren Fenster ein grandioser Ausblick über den amerikanischen Teil. Den vielleicht bald auch jeder genießen kann: Denn es gibt Pläne der Stadt, nahe dem Wachturm künftig eine von außerhalb des Geländes zugängliche Aussichtsplattform zu errichten.

 

Waldschäden – Wir müssen handeln – Windräder sind Teil der Lösung

Diese Meinung setzt sich momentan mit großer Geschwindigkeit überall durch. Dass der Klimawandel passiert, wird nun erfreulicherweise kaum noch diskutiert.

Wenn seit 41 Jahren die globale Durchschnittstemeperatur ständig steigt, ist das keine Wetterkapriole, das ist der Anfang einer drohenden Klimakatastrophe. Kommunalpolitiker sind da immer noch falsch beraten. Es geht auch uns nur noch darum, unsere „Münsterländische Parklandschaft“ zu erhalten. Da sollte man sich über jedes Windrad, das man hier sieht, freuen. Diese Freude kommt in Senden leider nicht auf, jede Initiative wurde bislang ausgebremst. Von Gemeinwohl haben hier manche Politiker offenbar eine andere Auffassung. Also hinschauen und abwählen!

Leserbrief in den WN