Klimaaktivistin „Kat“ las im Rathaus „An sozialen Kipp-Punkten rütteln“

Katharina van Bronswijk las im Bürgersaal des Rathauses aus ihrem Buch „Klima im Kopf“. (akrü)

Katharina van Bronswijk las im Bürgersaal des Rathauses aus ihrem Buch „Klima im Kopf“. (akrü)

Menschen brauchen Angst, Trauer und Wut, um Motivation für Veränderung zu entwickeln 

WN akrü SENDEN Klimaaktivistin und Psychologin Katharina van Bronswijk (Kat) war am Donnerstagabend im Bürgersaal des Rathauses zu Gast und las auf Einladung der Agenda21 aus ihrem aktuellen Buch „Klima im Kopf“. Darin geht es um die psychischen Folgen des Klimawandels – sowohl allgemein, als auch speziell für Klimaaktivisten und ihren „Kampf gegen Windmühlen“. Angst vor Überflutungen, Schuldgefühle wegen des letzten Urlaubsfluges, Wut über die Untätigkeit der Regierungen: Menschen begegnen der ökologischen Krise mit einem ganzen Bündel an Emotionen – und das ist gut so, erläutert van Bronswijk.

Angst, Trauer und Wut sind gesunde Reaktionen auf essenzielle Bedrohungen wie Klimawandel und Artensterben. Die Menschen brauchen sie, um Motivation für Veränderung zu entwickeln und gesellschaftliche Normen zu hinterfragen. „Die Werbung suggeriert, das Ziel sei es, immer glücklich zu sein, aber das geht nicht“, erläutert die Aktivistin. Doch: „Man muss nicht alle Menschen erreichen, um etwas zu verändern, es reichen zehn bis 25 Prozent der Gesellschaft, um an sozialen Kipp-Punkten zu rütteln und einen Wandel herbeizuführen“.

Katharina van Bronswijk ist als Sprecherin der „Psychologists and Psychotherapists for Future“ gut vertraut mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Umweltkrisen und psychischer Gesundheit. Die Psychologin und Verhaltenstherapeutin ist seit 2009 im Klimaschutz aktiv, unter anderem bei Greenpeace.

Ein Jahr Tauschschrank – ein Grund zum Feiern

WN, Dienstag, den 15. November 2022, von Monika Wellermann, Pastoralreferentin

Gefeiert wurde bei Bettina Scholz am 21. November 2022. Karina und Bernd waren für die Agenda-Gruppe dabei. Besonders toll: Die Tauschschrank-Gruppe hat einen der Umweltpreise der Gemeinde gewonnen. Am 2. Dezember soll die Preisverleihung im alten Zollhaus stattfinden. Die Nachbarin von Ellis hatte den Vorschlag gemacht. Besonderer Dank gilt Pastor i.R. Wilhelm Ausel für seinen alltäglichen Schließdienst.

Lob des Pazifismus

Süddeutsche Zeitung
Feuilleton
Donnerstag, 29. September 2022
Artikel 1/14
Der Krieg und die Friedensbewegung Lob des
Pazifismus
Der Krieg tobt in Europa – und wir brauchen eine neue Friedensbewegung dringender
denn je.
Von Nele Pollatschek
Wehrhafter Pazifismus? Die verstorbene Grünen-Mitgründerin Petra Kelly schaut
skeptisch.
Im Krieg stirbt zuerst der Pazifismus. Männer, die vor Kurzem den Dienst verweigerten,
kennen plötzlich Panzergattungen. In der Partei, die eben noch ohne Waffen Frieden
schaffen wollte und sich vor allem deshalb einst gründete, spricht man jetzt von
„wehrhaftem Pazifismus“. Berufslinke, die sonst eher Irokesen als Tarnanzug tragen,
sehen nichts dabei, Wörter wie „Lumpenpazifismus“ zu benutzen.
Das lässt sich leicht erklären. Kein anständiger Mensch will Krieg. Krieg ist, wie Annalena
Baerbock zu Beginn des russischen Angriffs kindgerecht sagte und jeder längst wusste,
„das Allerschlimmste, was passieren kann“. Wenn sich Menschen trotzdem an einem
Krieg beteiligen, dann weil sie keine andere Wahl sehen. Weil sie angegriffen werden, und
das Einzige, was schlimmer ist, als sich mit Waffen zu verteidigen, wäre jetzt, sich nicht zu
verteidigen. Wer, wie zum Beispiel die Grünen, bereit ist, dabei mitzuhelfen, dass
zwangsrekrutierte, russische Teenager erschossen werden, der tut etwas, das moralisch
so schwer zu ertragen ist, dass er vollkommen überzeugt sein muss, dass die Alternative
jenseits des moralisch auch nur Diskutablen liegt.
Pazifisten stehen für diese Alternative.
Pazifisten müssen hinnehmen, dass Menschen ermordet werden, um
selber nicht zu morden
Das Problem ist nun: Nicht mal unanständige Menschen wollen Krieg. Machthaber wollen
Ressourcen oder Macht oder Landgewinn, sie nehmen den Krieg vielleicht sogar gerne in
Kauf, aber die, die den Krieg führen, Soldaten und ihre Helfer, wollen den Krieg in der
Regel nicht. In der Geschichte der Menschheit lässt sich kaum ein Krieg finden, der von
denen, die ihn führten, als „Angriffskrieg“ verstanden wurde. Im Narrativ Putins verteidigt

sich Russland gegen die Nato und ukrainische Nazi-Aggressoren. Amerika führte gegen
den Irak einen Präventionskrieg – also eine Verteidigung gegen einen Angriff, der lediglich
noch nicht stattgefunden hatte. Sogar Hitler hat ab 5.45 Uhr bekanntlich nur
„zurückgeschossen“.
Hermann Göring erklärte 1946 einem amerikanischen Gerichtspsychologen: „Das Volk will
keinen Krieg.“ Um es sogar in einer Demokratie trotzdem dazu zu bringen, brauche man,
so Göring, „nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten
ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in
Gefahr“.
Pazifisten wissen, dass jeder, der freiwillig in den Krieg zieht, denkt, er kämpfe für das
Gute und gegen das Böse. Und er denkt es auch dann, wenn er dabei ein Z auf der Brust
trägt oder zwei S. Pazifisten wissen, dass im Krieg, ganz kurz nach dem Pazifismus, die
Wahrheit stirbt. Und zwar überall – auch die Alliierten hatten Propagandaabteilungen, auch
sie logen, dass sich die Balken bogen. Pazifisten denken: Wenn Deutsche, Amerikaner
und Russen verführbar waren, wieso sollte man mich nicht auch verführen können?
Pazifisten müssen hinnehmen, dass unschuldige Menschen ermordet werden, damit sie
sich absolut sicher sein können, dass sie selbst niemals Unschuldige ermorden.
Pazifismus widerspricht dem Instinkt, sich zu verteidigen, und dem
Bedürfnis zu helfen
Auch wenn er in sich vollkommen logisch ist: Für die meisten Menschen ist Pazifismus
nichts. Er widerspricht dem Instinkt, sich zu verteidigen. Und dem Bedürfnis zu helfen, wo
andere angegriffen werden. Die meisten Menschen wollen keine Pazifisten sein, da sie um
den Preis wissen.
So lässt sich auch das Oxymoron des „wehrhaften Pazifismus“ begreifen. Pazifismus ist
eben eines genau nicht: wehrhaft. Da aber jeder Krieg immer als Verteidigungskrieg
verstanden wird, da niemand jemals Krieg will, gibt es in Wahrheit eben nur Pazifismus
(niemals kämpfen, unter keinen Umständen) und den Rest (man könnte es Bellizismus
nennen, wenn die Bellizisten dann nicht immer gleich beleidigt wären, schließlich wollen
sie ja eigentlich keinen Krieg). Natürlich kann man sagen, dass „Pazifismus nur auf der
humanitären Theorie basieren kann, dass jede Nation ein Recht auf Leben haben muss“.
Aber das ist eben kein Pazifismus, sondern ein Hitlerzitat. „Wehrhafter Pazifismus“ ist der
Versuch, gleichzeitig den Pazifismus zu haben und den Krieg trotzdem zu essen.
Das funktioniert nur nicht. Weil der, der für die Beteiligung an einem Krieg ist, nicht
gleichzeitig dagegen sein kann. Ein Interessenkonflikt, den wir überall sonst sofort
verstehen. Polizisten sind nicht gleichzeitig Richter und Vollstrecker. Und der Kläger
übernimmt selten die Verteidigung.
Deswegen braucht es Pazifisten genau dann, wenn fast alle sich für massive
Waffenlieferungen aussprechen. Gerade weil man sich an einem Krieg beteiligt, braucht
man Menschen, die sich niemals an einem Krieg beteiligen würden. Man muss die
Argumente gegen Krieg genau dann hören, wenn man sie am wenigsten hören will.

Online-Konferenz „Energieverbrauch“ (WN am 26.10.2022)

SENDEN Viele Verbraucher stellen sich zur Zeit Fragen, die mit den Kosten für Energie einhergehen, wie Energie gespart werden kann, ob technische Veränderungen nötig und sinnvoll sind und was passieren würde, wenn Gas nur noch eingeschränkt verfügbar wäre. Am heutigen Mittwoch (26. Oktober) steht Leonora Holling vom Bund der Energieverbraucher von 19 bis 20 Uhr in einer Online-Konferenz zunächst mit einem Vortrag und anschließend für eine offene Fragerunde zur Verfügung. Die Gruppe „Agenda21Senden“ konnte Leonora Holling kurzfristig für diese Veranstaltung gewinnen. Zu dem kostenlosen Webex-Meeting gelangen Interessierte über folgenden Link https://t1p.de/7s22p oder, heißt es in einer Mitteilung der Agenda-Gruppe.

2229 Leonora Holling für Startseite Leonoara Holling, 1. Vorsitzende

Mehrgenerationenhaus in Senden – zukunftsfähiges soziales und nachhaltiges Wohnen

In Senden gibt es eine Initiative zum Bau eines Mehrgenerationenhauses. Als Mehrgenerationenhaus bezeichnet man ein Haus, das generationenübergreifend als Wohnraum genutzt wird. Das Wohnen im Mehrgenerationenhaus ist als langfristig angelegte Lebensform für das freiwillige Zusammenleben mehrerer unabhängiger und verschieden alter Personen in einem Haus zu sehen. Es handelt sich dabei um mehrere separate Wohneinheiten. Allgemeine Räume wie Schwimmbad, Sauna, Hobbyräume, Atelier, Gästezimmer und Gartenflächen werden dabei nach vereinbarten Regeln gemeinsam genutzt. Eine ggf. für Gäste frei gehaltene Wohnung kann für private Treffen oder Versammlungen nach Absprache genutzt werden. Mehrgenerationenhäuser bieten somit offene Treffpunkte, an denen sich Angehörige verschiedener Generationen begegnen, austauschen und sich gegenseitig unterstützen können.
Ein solches Mehrgenerationenhaus sollte von Anfang an von einer Initiativgruppe zusammen mit einem Architekten, einem Investor und einem Bauträger geplant werden. Der erste Schritt ist das Finden einer Kerngruppe, die das Projekt auf den Weg bringt.
In Senden gibt es am Huxburgweg derzeit Grundstücke, die für ein Mehrgenerationehaus geeignet sind. Die Kerngruppe muss durch Werbung zunächst Mitstreiter suchen und mit der Gemeindeverwaltung Kontakt aufnehmen. Die Sendener Parteien im Gemeinderat sind der Idee gegenüber offen, wenn die Gruppe für die Umsetzung geeignet erscheint.
Ein gut funktionierendes Mehrgenerationenhaus befindet sich in Mecklenbeck am Elisabeth-Hürten-Weg 3. Eine Einladung zu einem Treffen dort gibt es bereits, so dass sich Interessenten dort am kommenden Dienstag (25. Oktober) ab 17.30 Uhr informieren können und bei entsprechender Begeisterung die Bildung einer Kerngruppe beschließen könnten. Interessierte aus Senden treffen sich am Dienstag um 17 Uhr am Busbahnhof, um Fahrgemeinschaften zu bilden. Eine verbindliche Anmeldung ist nötig. Die Zahl der Teilnehmenden für die Besichtigung in Münster ist auf 15 Personen begrenzt. Interessierte melden sich bei Martina Mertin unter 01?76?/?60?32?80?29 telefonisch oder per WhatsApp bzw. SignalApp. Auch Interessenten an dieser Wohnform, die nicht mit zur Besichtigung nach Münster fahren können, werden gebeten, sich bei Martina Mertin zu melden.
Das Foto zeigt ein von Theo Stenkamp gebautes Modell des Mehrgenerationenhauses.

Wirtschaftseminar zu Freihandelsverträgen

Morgen abend (Mittwoch, den 19.10.22) läuft wieder das Wirtschaftsseminar mit Joachim F. Gogoll, und zwar online ab 19.30 Uhr. Zugang ab 19.20 Uhr unter https://t1p.de/agenda21senden. Es geht um Freihandel.
Gibt es so etwas überhaupt (noch) oder ist der Name eine Täuschung? Über das und andere wichtige Aspekte des Freihandelsvertrages CETA zwischen der EU und Kanada wird der Ökonom seinen Vortrag halten. Wer gedacht hatte, CETA sei einfach mal so durchzuwinken, der sollte sich nicht täuschen. Das dicke Ende kommt wie immer am Ende des Ratifizierungsverfahrens.

Welche Lösung für Klima-, Biodiversitäts- und Ernährungskrise? In Senden wollen wir mit den Landwirten ins Gespräch kommen. Erzeuger und Verbraucher sollten an einem Strang ziehen.

Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen schlägt eine radikale Landnutzungswende vor                                                            

VON ISABEL ARMBRUST

Im Juni 2021 sind Weltklimarat (IPCC) und Weltbiodiversitätsrat (IPBES) erstmals mit einem gemeinsamen Bericht und fächerübergreifenden Lösungsvorschlägen gegen Klimawandel und Artensterben an die Öffentlichkeit gegangen. Damit haben die beiden UN-Institutionen auch ein Zeichen für eine übergreifende Klima- und Biodiversitätspolitik gesetzt. Denn bisher
erfasst die Politik jede Krise getrennt und sucht spezifische Bewältigungsstrategien.
Schon 2020 hat der „Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) der Bundesregierung für eine ganzheitliche Lösung der großen Welt- und Menschheitskrisen geworben.
Mit der Studie „Landwende im Anthropozän“ zeigt er, dass die Klimakrise, der Artenschwund und das Hungerproblem viel zu lange isoliert voneinander angegangen wurden.
Oft standen die Maßnahmen sogar in Konkurrenz, denn alle benötigen Land. Und das ist auf unserem Globus nur begrenzt verfügbar.

Die Landnutzung der Welt muss drei Anforderungen genügen
Der Bericht spricht daher von einem „Trilemma“ der Landnutzung, aus dem es nur einen Ausweg gibt: Land muss künftig so genutzt werden, dass alle drei Ziele zusammen bedient werden.
Die Studie „Landwende im Anthropozän“ ist insofern überhaupt nicht das xte Werk zu nachhaltiger Landwirtschaft, sondern eine fundierte Auseinandersetzung mit der Frage, wie die Landoberfläche des Globus, eigentlich ein Gemeingut der Menschheit und künftiger Generationen, so genutzt werden kann, dass a) alle Menschen in Würde leben können und dass
b) die Erderwärmung sowie c) der Biodiversitätsverlust gestoppt werden.

Klimaneutralität nur mit Hilfe von Land erreichbar
Alle Regierungen der Welt haben es bis heute versäumt, den Ausstoß von CO2 und anderer Treibhausgase angemessen zu reduzieren und Richtung Null zu bringen. Daher sind die 2015 in Paris vereinbarten Ziele nur noch zu erreichen, so die Studie, „wenn, ergänzend zur Dekarbonisierung der Weltwirtschaft, Landflächen genutzt werden, um der Atmosphäre Koh-
lendioxid zu entziehen“. CO2 muss folglich entweder durch Aufforstungen oder durch natürliche oder technische Lösungen in Pflanzen, im Boden oder Gestein gespeichert werden.
Schon unser letztes Schwerpunktheft „Klimaungerechtigkeit“ (Februar 2021) setzte sich mit der Rolle dieser „negativen Emissionen“ beim Menschheitsprojekt „Klimaneutralität“ auseinander. Unser Autor Thomas Fatheuer benannte dort u.a. die Gefahr, dass für Aufforstungen und technische Lösungen zur CO2-Bindung gigantische Mengen an Land beansprucht und damit der Ernährung der Menschen des globalen Südens entzogen werden könnten.

…. auf das Maß kommt es an
Diese Gefahr sehen auch die WBGU-Autor*innen. Sie plädieren daher für eine „frühzeitige und ambitionierte Reduktion“ (Seite 4; wir zitieren aus dem Hauptgutachten (1)) globaler CO2-Emissionen. Unter maximaler Transparenz sollten die Staaten dann zusätzlich nur noch einen genau bezifferten Anteil der CO 2 -Reduktion durch landbasierte Lösungen erreichen dür-
fen. Und nur durch solche Ansätze, die gleichzeitig „erhebliche Mehrgewinne für biologische Vielfalt und Ernährungssicherheit“ bieten (S. 4). Dazu zählen u.a. die Renaturierung von Mooren und anderer Feuchtgebiete, Erhöhung der Kohlenstoffbindung im Boden durch nachhaltige Bewirtschaftung (S. 56), eine standortgerechte Wiederaufforstung entwaldeter Flächen
und besonders Agroforstsysteme, eben weil diese den Bezug zur Ernährung der Menschen haben. Die Aufforstung bisher nicht bewaldeter Flächen sollte dagegen kritisch geprüft werden (S. 4). Auch bezüglich technischer Lösungen wie BECCS (Bioenergie mit Abscheidung von CO 2 und dessen Speicherung als Biokohle) oder DACCS (direkte Gewinnung von CO 2 aus der Luft und Abspeicherung in Gestein; S. 56) haben die Autor*innen ihre Zweifel. Die Unsicherheiten bei den Verfahren seien noch zu groß (S. 57) und außerdem würden neue Nutzungsansprüche
an Land begründet. Es drohen „Konflikte zu den Zielen des Biodiversitätserhalts oder der Ernährungssicherung“ (S. 58).

Nahrung für alle durch eine naturnahe Landwirtschaft
Auch die heute vorherrschende, meist industrielle Landwirtschaft gefährdet langfristig die Welternährung, der sie dienen soll, denn sie degradiert die Böden, zerstört die Biodiversität und schädigt das Klima.
Der WBGU empfiehlt daher, die bislang weitgehend „monofunktional auf Produktion ausgerichteten Landwirtschaftssysteme in Richtung ökologisch intensiver multifunktionaler Systeme wie z.B. Agroforstwirtschaft zu transformieren und dabei Menschen, agrarökologi-
sche Praktiken und die Erbringung von Ökosystemdienstleistungen ins Zentrum zu stellen.“
In der Praxis laufen diese Vorschläge auf eine Ökologisierung der gemeinsamen Agrarpolitik der EU, abgekürzt GAP, hinaus: Die heutigen Flächenprämien würden komplett in Zahlungen für „Ökosystemdienstleistungen“, sprich Schutz der Biodiversität durch Erhalt von Mooren, artenreichen Wiesen, Wassereinzugsgebieten etc. umgewandelt (S. 5).

Agrarpolitik in Ökosystempolitik überführen
Die Autor*innen fordern aber zu weiteren Schritten auf und halten mittelfristig die Etablierung einer „Gemeinsamen Ökosystempolitik“ (GÖP) der EU für notwendig (S.278). Eine exklusiv auf die Landwirtschaft fokussierte Politik wie die heutige GAP gäbe es dann nicht mehr, Agrarpolitik würde mit Naturschutz, Ausbau von Schutzgebietssystemen, der Förderung nachhaltiger
Forstwirtschaft und dem Aufbau von landbasierten Ansätzen zur CO2-Entfernung zu einem Ganzen verschmelzen.

Abkehr von unserem Ernährungsstil
Der Globus wird bis zum Jahr 2100 elf Milliarden Menschen zu ernähren haben, danach wird die Weltbevölkerung nach Schätzungen der UNO wieder rückläufig sein. Aktuell leben acht Milliarden auf unserem Planeten, bis 2050 sollen es 9,7 Milliarden sein.
Schon heute werden (in Kalorien bemessen) genügend Nahrungsmittel für diese 9,7 Milliarden produziert. Hunger und Nahrungsunsicherheit auf diesem Globus sind somit auch ein Verteilungsproblem. Sollte allerdings der Ernährungsstil des industrialisierten globalen Nordens mit seinem hohen Fleischkonsum von den Menschen im globalen Süden übernommen werden, dann wird es auch von der Fläche her eng: Dann bräuchten wir 119 % der heute bewirtschafteten Ackerfläche, um alle zu ernähren. Schon heute gehen 70 Prozent des weltweit produzierten Getreides ins Tierfutter.
Das Fazit aus diesen Berechnungen ist so einfach wie klar: Der Ernährungsstil der Europäer*innen kann gar nicht globalisiert werden. Aus Sicht der Autor*innen muss also das Welt-Ernährungssystem von Grund auf geändert werden, und zwar so, dass für alle Erdbewohner*innen nicht nur genügend Kalorien, sondern auch nahrhafte Nüsse, Früchte und Hülsenfrüchte zur Verfügung stünden (S.151). Außerdem sollten die realen Kosten der Degrada-
tion von Ökosystemen und die von ihnen erbrachten Leistungen künftig „möglichst vollständig in die Preise für Nahrungsmittel einfließen“ (S. 6).
Der Ernährungsstil der EU mit hohem Fleischkonsum kann nicht globalisiert werden. Denn dazu bräuchte es 119% der weltweit verfügbaren Ackerfläche.

Indigene und lokale Gemeinschaften als Naturbewahrerinnen
Der WGBU empfiehlt eine Ausweitung von Schutzgebieten auf 30 Prozent der Landfläche – eine Größenordnung, für die sich die EU im Oktober 2021 beim virtuellen Weltbiodiversitätsgipfel (im Frühjahr 2022 folgt die Hauptkonferenz im chinesischen Kunming) ausge-
sprochen hat. Er zeigt sich dabei allerdings sensibel gegenüber dem Recht auf  Selbstbestimmung indigener Gemeinschaften, die fast 30 Prozent der Erdober-
fläche bewohnen. Nicht zufällig fällt ihr Siedlungsgebiet weitgehend mit den schützenswerten Ökosystemen unseres Globus zusammen, denn ihre nachhaltige Lebensweise hat über Jahrhunderte zu deren Erhalt beigetragen. Daher seien „Wahrung und Anerkennung der
Rechte der IPLCs (Indigenous Peoples and Local Communities) essenziell für den Schutz (…) dieser wertvollen Ökosysteme“, so der WBGU in Berufung auf aktu-
elle Studien (S. 108).
Nachdem früh schon die Welt-Biodiversitätskonvention CBD (1992) und dann ab 2012 der Weltbiodiversitätsrat die Wichtigkeit der Indigenen beim Biodiversitätserhalt akzentuiert hatte, ist diese Position mittlerweile in vielen Organisationen wissenschaftlicher Kon-
sens und die Idee eines Naturschutzes, der mit Umsiedlung und Vertreibung von Menschen einhergeht, verliert Anhänger*innen. Die Praxis vieler Naturschutzorganisationen folgt aber leider nicht dieser Erkenntnis. So wird z.B. der WWF, der im Juni 2021 mit einer Studie die Rolle der Indigenen als Naturschützer belegte, sehr für die fortgesetzte Finanzierung von umstrittenen Schutzgebieten kritisiert (siehe Beitrag in diesem Heft Seite 16).

Wer entscheidet, wer gestaltet mit?
Obwohl der WBGU auf dieser Grundlage auch empfiehlt, „Planung und Management von Schutzgebieten partizipativ mit der indigenen und lokalen Bevölkerung anzugehen“ (S. 107), ist von den indigenen „Naturbewahrer*innen“ im vierten und letzten Teil der Studie zur Umsetzung der Landwende (Transformative Governance für einen solidarischen Umgang mit Land) kaum noch die Rede. Recht unkonkret wird dort die Frage abgearbeitet,
wie alle Akteur*innen in eine „breite und solidarische Verantwortungsübernahme“ für das globale Gemeingut der Landökosysteme einbezogen werden können.
„Pionier*innen des Wandels“ gäbe es schon – sie würden z.B. durch solidarischen Konsum oder dadurch, dass sie ihr Land alternativ bewirtschaften, eine solche Verantwortung zeigen.
Über „Preisanreize, freiwillige und verpflichtende Nachhaltigkeitsstandards, raumbezogene Pläne, Subventionen“ sollten nun Staaten dafür sorgen, dass immer größere Teile der Gesellschaft für eine Landwende gewonnen werden.
Letztlich überwiegen bei den Vorschlägen der Autorinnen solche, die sich auf Anreize und gesetzliche Rahmenbedingungen beziehen, sowie auf die Herstellung regionaler und staatlicher Kooperationen.
Ein wenig zu sehr folgen damit die Governance-Vorschläge der Autor*innen schließlich doch einem Top-Down-Ansatz. Trotz dieser Schwäche halten wir den Bericht des WGBU für eine extrem anregende Grundlage für jede weitere Beschäftigung mit dem Thema Landnutzung
und empfehlen zumindest die Lektüre der acht-seitigen Zusammenfassung uneingeschränkt.
Übrigens hat der WBGU schon in früheren Papieren originelle Ideen präsentiert: Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Katowice, Polen, 2018, regte er einen Klimapass für Klima-Geflüchtete an, mit dem diese Staatsbürgerrechte in anderen Ländern erhalten wür-
den.(2) „Staaten mit erheblicher Verantwortung für den Klimawandel (z.B die USA, China, Katar, die EU-Staaten und Russland) sollten sich als Aufnahmeländer für Personen mit Klimapass zur Verfügung stellen“, so die Überzeugung der Autor*innen. Schade, dass unsere Regierungen sich ein solches Gremium leisten, aber den dort erarbeiteten Empfehlungen bis jetzt so gar nicht nachgekommen  sind.


(1) Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umwelt-
veränderungen (WBGU): „Hauptgutachten: Landwende im Anthropo-
zän. Von der Konkurrenz zur Integration“, 2020
(2) Im Politikpapier „Zeit–gerechte Klimapolitik: Vier Initiativen für
Fairness“, August 2018
Für den Inhalt dieser Publikation ist allein Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt von Engagement Global oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wieder.

https://www.aswnet.de/fileadmin/user_upload/PDF_Themenheft2022/SW_LAND-WBGU.pdf

Protokoll zur Video-Sitzung am 12. Oktober 2022

  Protokoll der Sitzung vom 12.10.2022 (ViKo)

1. Werbung für die Veranstaltung mit der Gemeinde am 26.Oktober im Bürgersaal zum Thema: „Entwicklung auf dem Energiemarkt – Gefahren, Kosten, Abzocker.“

Andreas kümmert sich um die Presse, einladend ist die Agenda-Gruppe, Zugang ohne Einladung durch einen Link. Andreas erstellt einen QR-Code für die Medien (Zeitung, Facebook, Agenda-Homepage).

2. Organisation des Vortrags von Katharina von Bronswijk zu ihrem Buch „Klima im Kopf“ am 24. November ab 17 Uhr im Bürgersaal.

Zeit: 17.30 Uhr bis 20 Uhr. Bettina macht den Shuttle-Dienst: Bahnhof Bösensell 16.16 Uhr, zurück 20.40 Uhr. Bücher Schwalbe soll einen Bücherstand machen (Orga Wiebke). Werbung durch Agenda21/Senden4Future, Klimaschutzgruppe/ -Pakt, Infos an Dülmen, Coesfeld, Nottuln und Münster. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Gemeinde statt, die Fahrtkosten betragen 45 €, Wiebke besorgt ein Geschenk von Grothues-Potthoff oder Halsbenning im Wert von etwa 30 €. Die Moderation teilen sich Bettina und Wiebke. Petra sorgt für Mikros, Laptop und Beamer, Bernd bringt ein Headset mit. Agenda-Beach-Fag und das Klimaschutz-Rollup sollen aufgestellt werden. Keine Anmeldung. Karina wird gebeten, ein Plakat zu erstellen, das verschickt und aufgehängt werden soll. Bernd erstellt mit Hilfe von Buchcover und Pressedownloads einen Text für die Zeitung und einen Kurztext für die Fb-Seite. Die Vorlagen gehen an Andreas für die Energie-Veranstaltung und an Petra für die Gemeinde-Homepage sowie an die Vernetzungsgruppen in Münster, Lüdinghausen (Lars Reichmann, Dennis Sonne), Nottuln, Coesfeld und Dülmen sowie an die Internet-Seite des Klimapakts. Bernd bittet Bettina um die Moderation und um die Weitergabe der Info an ihre Kontakte.

3. Wirtschaftsseminar zum Thema Freihandel.

Es soll bei dem Termin am Mittwoch, den 19. Oktober bleiben. Bitte informieren!

4. Bericht über die Initiative „Mehrgenerationenhaus in Senden“.

Bernd weist auf die Fahrt nach Münster zu Theo nach Mecklenbeck hin. Treffen um 17 Uhr am Busbahnhof zur Bildung von Fahrgemeinschaften.

5. Aktivitäten auf dem Weihnachtsmarkt unter dem Motto „Transformation in eine zukunftsfähige Gesellschaft“.

Termin: 4. Dezember, Bernd meldet uns beim Gewerbeverein an. Sven nennt als Schwerpunkt die Info über das neue Sendener Leihrad mit Freischalt-App der Gemeinde (das Schloss muss regelmäßig geladen werden, ein QR-Code zum Anmelden soll erstellt werden). Werbung und Info über Facebook und auf den websites von Gemeinde und Agenda-Gruppe. Ergänzung des Angebots durch ein Lastenrad später.

Andere Themen können beim Weihnachtsmarktstand dazukommen, wenn sich jemand findet, der etwas vorstellen möchte (Wald, Landwirtschaft/Ernährung, Mehrgenerationenhaus etc.).

6. Verschiedenes

Andreas regt eine Bauern-Gesprächsrunde an, um über die Fleisch-Problematik zu reden. Die jungen Bauern sind – so die Meinung – eher bereit, über eine Transformation in der Landwirtschaft nachzudenken.