Steter Tropfen … Brief an den Bürgermeister zur ökologischen Situation in Senden

Helmut Schicht                                    Ralf Hömberg
Wienkamp 1                                         Wienkamp 17
T. 02597 7620                                       T. 02591-691890
48308 Senden                                      48308 Senden

Herrn
Bürgermeister Sebastian Täger

Münsterstraße 30
48308 Senden

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Täger,

auf die folgenden Sachverhalte möchten wir Sie als besorgte Sendener Bürger aufmerksam machen:

1. Nördlich der Straße Wienkamp befindet sich zwischen dem dort verlaufenden Fußweg und dem Dümmer eine Brache, die sich im Laufe der Zeit zu einem kleinen Feuchtbiotop entwickelt hatte.
In den vergangenen Jahren konnte ich (Herr Schicht) immer wieder beobachten, dass im Frühjahr (wie auch im März, April 2016) Erdkröten in dem genannten Ökotop laichen. All die Jahre über konnten sich dort neue Kröten entwickeln. Im letzten Jahr hatte ich Ihnen als Bürgermeister unserer Gemeinde den ökologisch wichtigen Sachverhalt bereits zugetragen. Bereits damals musste ich zu meinem Leidwesen mit ansehen, wie die Bauhofmitarbeiter das komplette Kleinbiotop durch rigorose Mäharbeiten mit schwerem Gerät zerstörten und damit den Lebensraum zahlreicher Insekten und Kleintiere vernichteten. Mit dem Antwortschreiben vom 12.08.2016 (Herr Schmid) konnten wir erfahren, dass es sich hier um ein erfreulicherweise naturnahgehaltenes Rückhaltebecken handelt, um gleichsam dem entsprechenden Hochwasserschutz nachzukommen. Leider mussten wir auch dieses Jahr (2017) das gleiche Schauspiel wie im letzten Jahr beobachten. Wieder gingen die Arbeiter des Bauhofes mit schwerem Gerät in dieses Biotop hinein, welches nun vollends ökologisch zerstört ist. Seither sind die Erdkröten nicht mehr zurückgekehrt. Durch das diesjährige (2017), radikale Mähen ist ein ca. 6m breiter Streifen auf der gesamten Länge pflanzenlos geworden. In diesem Bereich sind die Wildkräuter, z. B. auch die Disteln nicht mehr existent, was zur Folge hat, dass dort die Insekten deutlich dezimiert sind, weil ihnen die Nahrungsgrundlage fehlt. Der Distelfink als auch der Schmetterling Admiral sind nun leider nicht mehr zu sehen. Antwortbriefe wie die soeben genannten helfen hier offenbar nicht, um die ökologischen Zusammenhänge nachhaltig zu schützen. Dies kann man nur in der biologischen Realität vollbringen. Uns ist zudem mit großer Sorge aufgefallen, dass auch etliche der Bäume am Kanal, offenbar in Vorbereitung zu Fällarbeiten, vor einiger Zeit rot markiert wurden. Wir haben Kontakt zu einem sehr erfahrenen Baumchirurgen (Theo Rosing aus Heek) welcher als Ingenieursrat beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Berufsleben unschätzbares Wissen angehäuft hat, was er aus tiefer Überzeugung weitergeben möchte. Mit seinem Buch „Ein Herz für Bäume“ dokumentiert er unter anderem auf 160 bebilderten Seiten „den unschönen Baumfrevel im Münsterland“. Zudem ist er gerne dazu bereit, Verantwortliche und Arbeiter der Stadt- und Gemeindebauhöfe sowie die der Straßenbau- und Grünflächenämter fachlich zu schulen. Wir sind gerne dazu bereit, eine Verbindung zu ihm herzustellen, um auch in Senden mehr ökologische Expertise zu generieren und umzusetzten.

2. Am Leinpfad des Kanals befinden sich im Abschnitt Wienkamp drei Bänke an denen jeweils ein Papierkorb steht. Schon längere Zeit konnten wir dort beobachten, dass sehr viel Müll neben diesen Papierkörben herumliegt. Dachten wir dabei zunächst an achtlose Mitmenschen, konnten wir schnell feststellen, dass es z. B. Krähenvögel sind, die aufgrund des zunehmend knapperen Lebensraumes, dort nach Nahrung suchen. Hier entsteht für uns ein Dilemma. Einerseits wollen wir den Krähen nicht noch mehr Nahrung vorenthalten, andererseits jedoch auch nicht der Vermüllung des Kanalufertreifens Vorschub leisten (Plastikmüll gerät bereits in die Nahrungsketten, und wir versinken in der globalen Plastikflut, die an j e d e m Ort der Welt entsteht). Kurzfristig könnte ein Deckel auf den genannten Papierkörben einfache Abhilfe schaffen. Wie man den Krähenvögeln artgerecht helfen kann, entzieht sich aktuell unserer Kenntnis.

Links und rechts des Leinpfades stehen, wie Sie Herr Täger sicherlich als Jogger wissen, dutzende prächtige über 80 Jahre alte Bäume (Eichen, Bergahorne und Linden)
Hierzu haben wir gerade im Wienkamp (aber auch im Ortskern) sehr negative Erfahrungen mit, bis heute nicht nachvollziehbaren drastischen Abholzaktionen gemacht (34 Eichen fielen 2005/2006 der Motorsäge zum Opfer; 2011 ist 2 Bergahornen dasselbe Schicksal wiederfahren, im Ortskern fiel vor nicht allzu langer Zeit eine Kastanie, an der alten Schleppkahnanlegestelle einige Linden). Angeblich seien 4 der prächtigen Bäume (3 Eichen und ein Bergahorn) unweit der Sendener Brücke auf der Wienkampseite vom Eichenprozessionsspinner befallen. Dazu sind keinerlei Hinweise (keine Blattblasen, keine Nester, keine Spinnfäden etc.) erkennbar. Auch die markierten Bäume auf der Höhe des Wienkamp-II (?)-Ackers sind für uns genau so wenig nachvollziehbar markiert wie die Bäume im Bereich des Yachthafens Tomberge. J e d e r gefällte Baum hinterlässt eine drastischen mikroökologische Lücke (z. B. Sonneneinstrahlung nimmt zu, Böden trocken aus, das durch die Bäume ausgleichende Mikroklima ist verschwunden und somit wird jeglicher Verwüstung Vorschub geleistet). Bitte wirken Sie auf das Wasser-Schifffahrt-Amt so ein, das uns die Bäume als Bürgerinnen und Bürger erhalten bleiben. Jeder einzelne Baum ist unschätzbare Lebensqualität für uns alle.

Das, was wir hiermit zum Ausdruck bringen, steht vor der Grundauffassung „Planet Earth First“ (wir bewirken alle mit einander seit dem 2. August 2017 das Naturkapitaldefizit unserer Mutter Erde) und dies ist uns eine sorgenvolle Herzensangelegenheit, da es an allen Orten der Welt – auch in Senden – um die Ökologien prekär bestellt ist, sie stehen in ernstzunehmender Gefahr. Senden, eine aufstrebende Gemeinde im Grünen – für dieses Programm, bis dahin vorbildlicher Grünplanung, gab es 2001 von der Bewertungskommission des bundesweiten Wettbewerbs „Entente Florale – Unsere Stadt blüht auf“ eine wohlverdiente „Goldmedaille“ als Auszeichnung. Bis 2000 investierte unsere Gemeinde in eine vorbildlich umgesetzte Grünplanung. Seither fielen enorm viele Bäume der Motorsäge zum Opfer (neben den hier aufgezählten Bäume auch etliche Platanen, Linden, Kastanien, eine wunderschöne bewachsene Pergola am Brunnen um nur einige der vielen weiteren zu nennen). Wir sind auf dem besorgniserregenden Weg, die Pfründe unserer ökologischen Stabilität bei Priorisierung derÖkonomie, weiter aufzugeben und die monetäre vor die reale Ökologische Wirklichkeit als Lebensgrundlage zu stellen. Wir waren mal eine Gemeinde im Grünen, was wir zunehmend gefährdet sehen. Genau das ist der Grund, warum wir uns als Po(a)hlbürger und Wahlsendener mit ökologischer Sensibilität an Sie als Bürgermeister unserer Gemeinde wenden. Sowohl für die „Alteingesessenen“ wie für die mit der Zeit „Zugezogenen“ als auch für alle weitergehenden Verantwortlichen ist Achtsamkeit für unsere Umwelt damit für uns selbst, fortwährend angesagt. Das griechische Wort „Oikos“ meint einen „umfassenden Heimatbegriff von Land und Leuten“ – dies steckt unter an-derem in den Begriffen „Ökologie“ und „Ökonomie“. Es gehört nicht „in’ n Sendsken Wind“ gestellt“ – dazu ist es, zu ernst, zu wichtig und existenziell. 2010 ging die Auszeichnung der „Entente florale“ übrigens unter anderem nach Billerbeck – bekannt als das Tor für Wanderungen in der Baumberger Region.

Wir bitten hiermit zugleich die Aganda21Senden (Bereiche Ökologie/Vegetationen/Soziales) um Unterstützung und weisen auf den aktuellen ZDF-Beitrag vom 28.06.2017 hin: Monokulturen bedrohen Artenvielfalt: „Artensterben durch Monokultur“ . 75% der Pflanzen werden von Bienen und anderen Insekten bestäubt … der aktuelle Agrarreport vom Bundesamt für Naturschutz besagt unter anderem, dass der Insektenbestand mancherorts um 80% geschrumpft ist. ….

Ab dem 2. August 2017 (Earth Overshootday) haben wir Menschen alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren und nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Das ist als Summe an jedem Ort der Welt zu verstehen, im Kleinen wie im Großen. Die Biokapazität der Erde beträgt pro Jahr 1,7 Globale Hektar pro Person (gha). Jeder Mensch verbraucht im Schnitt allerdings 3,3 Globale Hektar pro Jahr. Dieser Verbrauch heißt auch ökologischer Fußabdruck. Ab dem heutigen Tag sammeln wir mit jedem Tag ein größeres Defizit an, indem wir die schon lange bestehenden Ressourcenbestände abbauen und Kohlendioxid in der Atmosphäre ansammeln. Wir überschreiten (engl. overshoot) den uns gege-benen Rahmen und greifen auf die Reserven der Erde zurück, welche über Millio-nen Jahre angelegt wurden. Dass diese Rechnung nicht ewig aufgehen wird, ist klar. Hier geht es um das „abwürgen“ globaler Regenerationsfähigkeiten (als Summe und Übersummierung aller örtlichen Aktivitäten, auch die in Senden) und auch die in Senden) und wir machen Schulden bei der Natur, bei der Erde. Wo sind die ehrbaren Kaufleute, die sich um das Bewahren des Naturkapitals in sorgsamer Weise kümmern.

Das „Naturkapitalgesamt“ ist unsere wirkliche Lebensgrundlage!

Mit freundlichen konstruktiven Grüßen

Helmut Schicht & Ralf Hömberg

 

 

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