Sachdienliche Informationen über Glyphosat-Anwendung in Deutschland, speziell in Senden

Lintel-Höping setzt auf schonende Bodenbehandlung. Das erlaubt ihm der mäßige Einsatz von Glyphosat.

Zu einem sachlichen, harmonischen Gedankenaustausch kam es nach dem Erfahrungsbericht über den Glyphosat-Einsatz auf dem Hof Lintel-Höping.

Nach den Begrüßungen gab es zunächst einen Filmausschnitt über die Fusion von Bayer und Monsanto, der auch über den Glyphosat-Gebrauch in Amerika berichtete.

Danach zeigte Franz-Josef Lintel-Höping die Unterschiede bei seiner Glyphosat-Anwendung auf. Glyphosat ist in Deutschland in geringerer Menge als in Amerika zugelassen, da es nach den hier gültigen Untersuchungen in dieser Konzentration als nicht gesundheitsschädlich gilt.

Das Ausbringen (Menge, Häufigkeit, Abstände zu Vorflutern) ist in Deutschland genau vorgeschrieben und wird auch regelmäßig unangekündigt kontrolliert. Der Landwirt muss die Zulassung als zertifizierter Glyphosat-Anwender auf dem Acker ständig bei sich haben. Die hier in Senden angewendete Menge von Lintel-Höping beträgt nur ca. ein Zehntel der in Deutschland zugelassenen Menge, was im Moment völlig ausreicht. Das Vernichten der störenden Beikräuter findet vor der Aussaat statt, so dass das Saatgut auf den nicht oder kaum mechanisch bearbeiteten Boden ausgebracht werden kann. Auf Pflügen wird gänzlich verzichtet. Acker- und Bodenlebewesen wie Vögel und  Regenwürmer werden geschont, der Boden bleibt durchlüftet und durchlässig. Da gepflügter Boden durch den eingebrachten Sauerstoff Kohlenstoffdioxid freisetzt und der Dieselverbrauch bei der Bodenbearbeitung ebenso zu CO2-Ausstoß führt, ist die Arbeitsweise gut klimaverträglich. Da die aufkeimenden Pflanzen keinen Kontakt zu Glyphosat bekommen, sind sie giftfrei, es muss kein gentechnisch resistent gemachtes Saatgut verwendet werden, was in Europa nicht zulässig ist und was die deutschen Landwirte auch keinesfalls wollen.

Informationen zum Hof: 02_Lintel_Hoeping

Präsentation zum Vortrag: Lintel-Hoeping_ Agenda21

In der Diskussion, an der sich konstruktiv die studierten Jung-Landwirte Sebastian Ermann und Ralf Große Scharmann beteiligten, wurden Fragen beantwortet und Kritik diskutiert. Da Glyphosat in wenigen Jahren wegen der möglicherweise krebsschädigenden Wirkung nach EU-Verordnung vom Markt genommen wird, muss man sich Gedanken um zukünftige Methoden machen. Der Einsatz von elektrisch angetriebenen Treckern zur CO2-Reduktion – ein Vorschlag aus der Agenda-Gruppe – könnte eine Methode zur Verbesserung mechanischer Unkrautvernichtung sein. Ein Pestizid durch ein anderes zu ersetzen, wurde nicht als konstruktive Lösung angesehen.

Herr Lintel Höping reichte noch folgende Studie über Bodenlebewesen bei konservierender Bodenbearbeitung nach: StudieBodenbiologie

Das Thema und die Art des Gedankenaustauschs führten zu dem Vorhaben, die Reihe fortzusetzen und mit Exkursionen vor Ort zu bereichern.

Themen könnten sein: Kritische Sichtweisen von Naturschutzverbänden und Alternativen durch Bio-Landbau.

Zur Vertiefung werden vom AK Vegetationen folgende Links empfohlen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat

https://de.wikipedia.org/wiki/Roundup

https://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto

 

 

 

8 Gedanken zu „Sachdienliche Informationen über Glyphosat-Anwendung in Deutschland, speziell in Senden

  1. Pingback: Einladung zum planmäßigen Treffen am 11. Juli 2018 - agenda21senden +++ agenda21senden mobil

  2. Jürgen Kruse

    Wir können nur empfehlen, diesen Artikel zu lesen. Wie kann man nur glauben, dass man mit Gift gesunde Lebensmittel erzeugen kann?
    http://www.nabu-borken.de/wp-content/uploads/2017/01/Naturzeit-27-1-2017.pdf
    Artikel: Schleichende und akute Vergiftung durch Pestizide. Chemische Keule gegen Umwelt und Natur, S. 7 – 9.
    Gerade Glyphosat ist erwiesenermaßen besonders schädlich für Bodenleben, Menschen und Tiere (Krebsgefahr ist nur einer von vielen Aspekten!) und nur am Markt, weil die Lobbymacht der Konzerne sich über alle kritiuschen Studien hinwegsetzt und die Politik furchtbar versagt hat!

    1. Jürgen Kruse

      Schleichende und akute Vergiftung durch Pestizide

      Pestizide sind Oberbegriff einer Zusammenfassung von Substanzen, die landwirtschaftlich nicht erwünschte, den Produktionsprozess hemmende Organismen beseitigen oder schwächen, stets mit dem Ziel, Nutzpflanzen ein ungestörtes Wachstum zu ermöglichen. Je nach Einsatzrichtung der Stoffe, gegen Wildkräuter, Insekten oder Pilze, spricht man von Herbiziden, Insektiziden oder Fungiziden. Teils hochtoxischen Wirkstoffen, entwickelt und angewendet zum Töten von Organismen, wird durch die Bezeichnung Pflanzenschutzmittel (PSM) ein ungefährlich scheinendes Bild zugewiesen.
      Bestimmend in der Landwirtschaft ist heute eine chemiegestützte Wirtschaftsweise. Zwangsweise werden viele Kulturen immer häufiger mit Wirkstoffmischungen gespritzt, um eine Resistenzbildung der Zielobjekte zu vermeiden, z. B. in Apfelplantagen bis über 20mal pro Saison – häufig mit mehreren Giften gleichzeitig.*1

      Chemische Keule gegen die Umwelt
      Nach Aussage des Pestizid Aktions-Netzwerks PAN hat die Menge der landwirtschaftlich genutzten Pestizide in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. In der EU wird etwa ein Viertel der weltweit produzierten Pestizide ausgebracht, davon jährlich ca. 46.000 Tonnen allein in Deutschland (2014). Von der städtischen Bevölkerung wird der Pestizideinsatz überwiegend im Kontext mit belastetem Obst und Gemüse wahrgenommen. Pestizidrückstände werden hier als besonders gefährdend für die eigene Gesundheit eingestuft, während die massiven Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf die biologische Vielfalt des Anwendungsgebietes weitestgehend unbekannt sind. Zahlreiche Lebewesen oder Organismen werden, neben den eigentlichen Zielobjekten, durch die toxische Wirkung der Pestizide gefährdet oder getötet. Pestizide schränken zumindest die Nahrungsangebote ein oder zerstören die gesamte Nahrungsgrundlage der Nichtzielobjekte. Nicht nur die behandelten Flächen selbst sind mit Gift belastet, auch angrenzende Biotope, wie z.B. Gewässer, Feuchtwiesen und Moore, werden durch Pestizidabdrift oder Einleitung pestizidhaltiger Erosionen geschädigt. Gefährliche PSM waren 2016 im Halterner Stausee, ein Trinkwasserreservoir, nachzuweisen. Derzeit vorgegebene Schutzzonen um Gewässer und Biotope, mit dem Verbot eines Pestizideinsatzes, sind generell unzureichend. Auch Pestizideinsätze in Gärten und auf kommunalen Flächen bedrohen potentielle Rückzugsräume bedrohter Arten. Werden selbst die vorgeschriebenen Spritzmittelmindestabstände zu Hecken, Wegen, Gräben und Gewässern nicht eingehalten, sind die Umweltschäden enorm und kaum abschätzbar, teils irreversibel.

      Glyphosat-Spritzungen flächendeckend, bis in die Gewässerböschung (Legden, Frühjahr 2016; Privat-Foto)

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      Gift wird bis auf den Wegseitenrand gespritzt, kann verwehen und ausgasen (Foto: privat).

      Chemische Pflanzengifte, wie zum Beispiel glyphosathaltige Produkte, werden in der konventionellen Landwirtschaft nicht nur zur Unkrautbekämpfung eingesetzt, sondern oft verbotenerweise angewendet, um den Reifeprozess des Getreides zu beschleunigen, zur Sikkation. So werden heute Dreschtermine geplant. Die vorgeschriebene Wartezeit bis zur Abernte wird oft nicht eingehalten, mit dem Ergebnis glyphosathaltiger Nahrungs- und Futtermittel. Durch den Einsatz von Pestiziden werden Anbauweisen gefördert, die ohne Pestizidunterstützung nicht funktionierten: Monokulturen, kurze Fruchtfolgen oder der Anbau überzüchteter Hybridsorten.
      Pestizide lagern sich im Boden ab und nicht alle werden innerhalb der Fruchtfolgezyklen abgebaut. Jeder erneute Eintrag lässt die Wirkstoffkonzentration im Boden steigen. Pestizidwirkstoffe haben stets eine Breitbandwirkung, sie schädigen Bodenorganismen und die Mikrobiologie des Bodens. Eine geschädigte Mikrobiologie verhindert oder verzögert den Abbau vieler der Pestizidwirkstoffe. Ein Teufelskreis! Nicht abgebaute Pestizidwirkstoffe gelangen somit in tiefere Bodenschichten und schließlich in das Grundwasser. Die Bodenfruchtbarkeit wird beeinträchtigt, angereicherte, systemisch wirkende Giftstoffe gelangen über das Wurzelwerk in die Folgefrüchte. Nachfolgend angebaute Lebens- und Futtermittel sind daher vielfach zusätzlich mit Wirkstoffen belastet, die im Anbauzyklus der Vorfrucht ausgebracht wurden. Tierische Produkte enthalten folglich Pestizidrückstände, wenn die Tiere mit pestizidbelasteten Futtermitteln versorgt werden. Auf unserer Speisekarte finden wir somit pestizidbelastete pflanzliche und tierische Produkte. Stauberosionen aus Ackerflächen sowie Sprühmittelaerosole verfrachten anhaftende Pestizide in weit entfernte Gebiete. Die Stoffe gelangen in Gewässer, sind sogar festzustellen im Obst, im Gemüse und in Beerenfrüchten biologisch bewirtschafteter Flächen. Pestizide gefährden die gesamte Umwelt sowie unsere Gesundheit. In diesem Zusammenhang interessant, in der Bundesrepublik Deutschland existiert keine einzige öffentlich zugängliche Messstelle, in der die Verschmutzung der Luft mit landwirtschaftlich angewendeten Pestizidwirkstoffen festgehalten wird. Es herrscht amtliches Schweigen.

      Bis auf Wege und in alle Randbereiche hinein: Glyphosat vernichtet Leben (Foto: privat).

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      Pestizide wirken breitbandig und über weite Entfernungen. Wirkstoffmischungen können, in Relation zu den einzelnen Wirkstoffen, ihre Toxizität um ein Vielfaches erhöhen. Einzelne, als bienenungefährlich eingestufte Wirkstoffe wirken in Kombination mit gleichartig bienenungefährlich eingestuften Stoffen hoch bienentoxisch. Bienentoxisch ist weitestgehend gleichzusetzen mit einer allgemein insektentoxischen Wirkung. Diese Kombinations- oder Wechselwirkungen von Pestizidwirkstoffen auf die Umwelt werden bisher als Zulassungskriterium nicht in die Forschungen einbezogen. Absichtlich, um die Zulassung nicht zu gefährden?

      Tiefes Pflügen und ggf. über Winter zur Erosion freigegeben: zerstörtes Bodenleben und Auswaschungen wahrscheinlich (Legden-Asbeck, 2016; Privat-Foto)

      Pestizide wirken also (mit ihren Giften und Nebenstoffen) über Boden, Wasser und Luft (Verwehungen und Einträge über viele Kilometer) schädlich und krankheitsverursachend bzw. tödlich auf Umwelt und Menschen. In der Studie „Pestizide nein danke“ bewertet der Autor Haalck den derzeitigen rechtlichen Rahmen „als Lizenz zum Töten“ und macht für die lebenslangen täglichen „Zwangsexpositionen“ u.a. über vergiftete Felder alle Menschen verantwortlich, die wissentlich oder unwissentlich Pestizide anwenden.*2 
      Recherchen zu Giftanwendungen und -folgen weisen auf fehlende Kontrollen und Meldungen von Pestizidschädigungen und ein Versagen der Landwirtschaftskammer hin. 

      Gefährliche Grenzwert-Bestimmungen
      Die Zulassungspraxis für die Gifte ist mit demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar. Sogenannte Grenzwerte werden rein politisch und durch den massiven Lobbyeinfluss der Chemieindustrie nach Profitgesichtspunkten festgelegt. Beteiligte Stellen sind daher in der Kritik. Der Toxikologe Otmar Wassermann hat schon 1990 in seiner Schrift „Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht“ auf die gezielt schlechte Ausstattung unabhängiger toxikologischer Forschung hingewiesen, die eine erforderliche Gefährdungsabschätzung im Sinne einer Gesundheitsvorsorge erst ermöglicht. Konzerne wie Monsanto, Bayer und Syngenta setzen ihre Profitansprüche mit Verkauf von Umweltgiften durch, obwohl ihnen die epigenetische Wirksamkeit von Glyphosat und anderen Pestiziden und damit die erwiesenen Voraussetzungen für Verbote von Pestiziden bekannt sein dürften. Sie riskieren ohne Skrupel einen Zusammenbruch des Ökosystems und einen Anstieg der physischen und psychischen Erkrankungen der Bevölkerung.
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      Kombinationswirkungen bewusst vernachlässigt
      Gesundheitsschäden können durch Chemikalien bereits in niedrigsten Konzentrationen verursacht werden, die weit unter der jeweiligen Nachweisgrenze liegen. Die Wirkungen der Einzelsubstanzen (Die Pestizide sind Gemische mit Beistoffen, die ebenfalls toxisch=tödlich und langlebig sein können.) addieren sich nicht nur, „in der Regel potenzieren sie sich im mehrdimensionalen Netzwerk biologischer Zusammenhänge“.*3
      Eine Arbeitsgruppe der Biochemikerin  Dr. Irene Witte (Oldenburg)*4 hat nachgewiesen, dass harmlose Konzentrationen von Umweltgiften in der Kombination mit anderen Stoffen giftig wirken können und
      fordert die grundlegende Einbeziehung dieser „Synergismen“ in die toxikologische Bewertung von Schadstoffen.
      Nachgewiesen wurden für etliche Pestizide Wirkungen wie „endokrine Disruptoren“, d.h. sie wirken beim Prozess der Zellteilung schädigend (nicht umkehrbar und ggf. vererbbar) auf die Zellen ein und das schon in Piko- und Nanogramm Mengen, also weit unterhalb der akut toxischen Menge.

      Giftige Brühe von einem Giftspritzen-Unfall auf einem Hof in Vreden-Ellewick (Privat-Foto)

      „Mehr Blühstreifen!
      Auch der herrschenden Agrarlobby kommt das sehr entgegen. Sie würde die Bienen ebenfalls gern aus den chemiegestützten Bauernhöfen woandershin verfrachten und verweist gern auf die „Eh da“-Flächen: Wegböschungen, Straßenränder, Autobahn- oder Bahndämme. Woraus sonst kaum Profit zu schlagen ist, kann immer noch als Reservat für die Bienen dienen. Vorteil: Die Agrobranche wäre ihren Ruf als Bienenkiller los und könnte dennoch weiter hemmungslos Chemie versprühen.“*5
      So werden zwar in einer Studie der DWA* ungenutzte Gewässerrandstreifen gefordert und eine Verhinderung direkter Ableitungen von Oberflächenwasser aus Ackerflächen und Grünland, bei gleichzeitiger strenger Gewässerüberwachung durch zuständige Behörden. Doch die zur Rettung der Arten ausgedachten Dauerblühstreifen auf öffentlichem Grund sind bereits in Gefahr, zum Alibi für weitere Giftpraxis zu verkommen. So kümmert sich u.a. die Lobby-Organisation „Forum Moderne Landwirtschaft e.V.“ (Chemieindustrie, Bauernverband…) um die ökologische Aufwertung von „Eh da-Flächen“ z.B. mit Blühstreifen, damit die Chemie-Landwirtschaft so weitermachen kann, wie bisher. In Rheinland-Pfalz sind gar das Land, das gemeinsam mit der BASF betriebene „Institut für Agrarökologie“ und Hochschulen dabei.
      Dennoch sind neue Biotopverbundlinien besonders auf zurückgeholten kommunalen Wegseitenrändern in Form von ökologisch bedeutsamen Hecken und Dauerblühstreifen für die Biodiversitätssicherung enorm wichtig (www.hecke.wg.vu).

      Viele Jahre nach Veröffentlichung des Buches „Stummer Frühling“, in dem die amerikanische Autorin Rachel Carson das von Agrarchemikalien ausgelöste Vogelsterben beschreibt, ist der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft immer noch viel zu hoch.
      Immer mehr Menschen fällt das Verschwinden der Insekten und Vögel sowie Blühpflanzen auf. Mittlerweile scheint die Artenvielfalt in manchen städtischen Regionen größer zu sein als in -5-
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      landwirtschaftlich geprägten Regionen. Pestizide haben -auch nach Umweltbundesamt- einen „erheblichen negativen Einfluss auf die biologische Vielfalt“.
      Raffinierte PR-Aktion der Agrochemie-Industrie mit dem Bauernverband: „Pflanzenschützer“ erzählen Märchen über Gift!

      Da die mit Steuergeldern geförderte industrialisierte Landwirtschaft ohne Giftcocktail nicht möglich ist, brauchen wir eine Agrarwende, weg von synthetischen Pestiziden und Düngern, die natürliche Prozesse und Systeme zerstören, hin zur umweltschonenden Alternative, dem Landbau nach streng ökologischen Richtlinien, mit nachhaltiger Bewirtschaftung, unter Einhaltung mehrjähriger Fruchtfolgen und ohne Einsatz chemisch-synthetischer Wirkstoffe. Bio-Lebensmittel für alle sind angesagt, regional und sozial.

      Herbert Moritz (Heek) und Jürgen Kruse (Legden)
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      Anmerkungen:
      *1 Fünf-Punkte-Programm für einen nachhaltigen Pflanzenschutz, Umweltbundesamt 2016.

      *2 Klaus Friedrich Haalck, Pestizide nein danke, Berlin 2013 (u.a.: S. 14, 24/25 und 140-143). – Auf die erwiesene Gefährlichkeit des Totalherbizids Glyphosat weist Monika Krüger hin: http://www.zivilcourage.ro/pdf/Risiko-Glyphosat.pdf

      *3 Otmar Wassermann u.a., Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht,
      Frankfurt/M. 1990, S. 9.

      *4 Witte, I. (2012). Kombinationswirkungen von Umweltgiften. In: Steinmetz, Bernd &Trautmann, Sandra (Hrsg.): Vergiftet und allein gelassen. Arbeitsmedizin und Umweltmedizin im Schatten wirtschaftlicher Interessen. Weimar: Bertuch Verlag. – So fordert auch Anita Schwaier, dass experimentelle Untersuchungen
      so angelegt werden, dass sie epigenetische Effekte wie die der endokrinen Disruptoren erfassen, und zwar auch bei Misch- und Fertigpräparaten (https://www.agrarkoordination.de/fileadmin/dateiupload/Roundup___Co/151124_Epigenetische_Wirkung_von_Glyphosat_Anita_Schwaier_Kurzfassung.pdf )
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      *5 Quelle: Hans-Ulrich Grimm, Die Fleischlüge, Wie uns die Tierindustrie krank macht, Droemer-Knaur-Verlag, München 2016, Seite 152 – 154.

      *DWA=Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V., Hennef
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      Hinweise – Siehe auch:
      http://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/20111201-Hintergrund-Umweltfolgen-der-Landwirtschaft.pdf

      Wie die industrialisierte Landwirtschaft die Umwelt zerstört, http://www.nachdenkseiten.de/?p=29219

      Wie industriehörig mit krankmachenden und umweltschädigenden Pestiziden und den Genehmigungs-verfahren in Deutschland umgegangen wird, zeigt das Umweltinstitut München auf:
      http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide.html
      http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/pestizidrueckstaende.html
      So ist das Zulassungsverfahren für Glyphosat unverantwortlich für Mensch und Umwelt:
      http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/glyphosat.html

      Informationen zur weiteren Vergiftung mit Pestiziden siehe auch: https://umweltvinschgau.files.wordpress.com/2011/11/links-zum-thema-pestizide-in-lebensmitteln-texte.pdf und: https://umweltvinschgau.files.wordpress.com/2011/11/links-zum-thema-pestizide-in-lebensmitteln-filme.pdf und: https://netzfrauen.org/2015/06/30/17-gruende-warum-glyphosat-verboten-werden-muss-seventeen-reasons-to-ban-glyphosate/

      Gefahren durch Pestizide in Lebensmitteln: https://www.youtube.com/watch?v=YdrbrMAtNos

      „Gekaufte Forschung – Wie Konzerne an deutschen Hochschulen forschen lassen“
      http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/gekaufte-forschung-100.html

      Ohne Pestizide wäre es besser: http://www.spektrum.de/wissen/geht-landwirtschaft-auch-ohne-pestizide/1429861
      Schmetterlinge – Artensterben-Art. – BUND Freiburg:
      http://www.bund-rvso.de/downloads/Schmetterlingssterben%20Flyer%202016-min.pdf
      http://www.bund-rvso.de/schmetterlingssterben.html

      http://www.pan-germany.org/deu/~news-1436.html
      Artensterben im Agrarland und auf unseren Äckern

  3. Jürgen Kruse

    Bundesweit häufen sich die Berichte über Pestizid-Verwehungen, die anscheinend gar nicht verhindert werden können. Siehe diesen Fall im Wendland!: http://www.taz.de/Pestizidverseuchung-auf-dem-Biohof/!5508661/
    Über die Gefahren der Pestizide (und notwendige Alternativen!) informieren wir mit unserer Ausstellung „Irrweg Pestizide“:
    Diese Ausstellung bitte anfordern und überall zeigen!
    Als kleines Gegengewicht gegen die massive Propaganda der Chemie- und Agrarindustrie bzw. des
    Bauernverbandes sollte für diese Ausstellung beim NABU-Landesverband Brandenburg rasch
    Bedarf angemeldet werden!
    https://brandenburg.nabu.de/wir-ueber-uns/infothek/23584.html
    Oder auch im Münsterland/NRW Vermittlung der Ausstellung über NABU-Kreis Borken: herbert-moritz@gmx.de — T: 02568-2817
    So präsentiert NABU-Kornwestheim die Ausstellung „Irrweg Pestizide“ !!!:
    https://www.nabu-kornwestheim.de/projekte/ausstellung-irrweg-pestizide/

  4. Jürgen Kruse

    Liebe Freundinnen und Freunde,

    diese Ausstellung bitte anfordern und überall zeigen!
    Als kleines Gegengewicht gegen die massive Propaganda der Chemie- und Agrarindustrie bzw. des
    Bauernverbandes sollte für diese Ausstellung beim NABU-Landesverband Brandenburg rasch
    Bedarf angemeldet werden!
    https://brandenburg.nabu.de/wir-ueber-uns/infothek/23584.html

    Oder auch im Münsterland/NRW Vermittlung der Ausstellung über NABU-Kreis Borken: herbert-moritz@gmx.de
    T: 02568-2817

    Freundliche Grüße

    Jürgen Kruse
    Arbeitskreis Heckenschutz
    http://www.hecke.wg.vu
    info@heckenschutz.de

    2.2.2018
    So präsentiert NABU-Kornwestheim die Ausstellung „Irrweg Pestizide“ !!!:
    https://www.nabu-kornwestheim.de/projekte/ausstellung-irrweg-pestizide/

  5. Jürgen Kruse

    1
    Weiterer Wirkungsmechanismus für Glyphosat nachgewiesen:
    Epigenetische Wirksamkeit erklärt Effekte bei niedrigsten Dosen
    Anita Schwaier
    Es gibt in der Toxikologie einen blinden Fleck: die Epigenetik. Das ist der Vorgang der Übertragung der Erbinformation von der DNA auf die RNA, die Transkription. Die RNA stellt die Schablone dar für die Synthese der Proteine einer Zelle. Die Transkription verläuft nach einem bestimmten Programm, denn nur ein Teil der DNA wird abgelesen. Alle übrigen Bereiche sind durch Methylgruppen inaktiviert, sozusagen als Reserve verpackt. Dieses Programm wird bei der Zellteilung identisch auf die Tochterzellen übertragen. Dadurch werden aus einer Leberzelle wieder zwei identische Leberzellen, aus einer Hautzelle wieder zwei Hautzellen und so weiter. Dieser Prozess der Verdoppelung des Programms, nach dem die Transkription abläuft, ist hoch kompliziert und daher störanfällig. Bis vor Kurzem konnte man solche Störungen nicht nachweisen. Nun gibt es neue Erkenntnisse: In einer Publikation Ende August diesen Jahres hat ein Team von Molekularbiologen aus England, Frankreich und Italien nachgewiesen, dass Glyphosat genau auf dieser Ebene eingreift (Mesnage et al. 2015).
    Man kann heute die Gesamtheit der abgelesenen RNA und das Muster der Ribonuklide bestimmen, ähnlich wie es auch bei der DNA-Analyse erfolgt. Dies bezeichnet man als Transkriptomanalyse. Die Forscher, die langjährige Erfahrung mit diesen biochemischen Methoden haben und anerkannte Spezialisten auf ihrem Gebiet sind, haben Leber- und Nierenzellen von Ratten untersucht, die 2 Jahre lang Roundup im Trinkwasser erhielten, und zwar in einer Konzentration, die der Hälfte der in der EU zugelassenen Menge von 0,1 μg pro Liter Trinkwasser entspricht (=100 ng/l). Die Glyphosatmenge, die von den Ratten täglich aufgenommen wurde, war 125.000 – fach geringer, als was das BfR zuletzt als täglich maximal zulässige Aufnahme mit der Nahrung empfohlen hatte, nämlich
    4 Nanogramm/kg (ng/kg) Körpergewicht (KG) im Vergleich zu 0,5 mg/kg (=500.000 ng/kg) KG für den Menschen.
    Die Untersuchungen an Leber und Nieren ergaben, dass sich die abgelesene (transkribierte) RNA bei den Glyphosat-Tieren in über 4000 Gen-Einheiten unterschied von der RNA derjenigen Ratten, die reines Trinkwasser erhielten. Gleichzeitig wurden in den Leber- und Nierenzellen elektronenmikroskopische Veränderungen nachgewiesen. Veränderte Blut- und Elektrolytwerte im Urin sind typische Anzeichen für gestörte Nierenfunktion. Zudem waren die Hormonspiegel von Testosteron, Östradiol und Hypophysenhormonen verändert. Alle Unterschiede zu den Kontrolltieren waren sehr deutlich und statistisch signifikant.
    Epigenetische Veränderungen treten in den Organen zunächst nur punktuell in einzelnen Zellen auf, denn Glyphosat wirkt auf die Zellen, die sich gerade teilen.
    Bei fortgesetzter Einwirkung von Glyphosat häufen sich die epigenetisch veränderten Zellen im Laufe der Zeit. Die Veränderungen sind nicht umkehrbar, die epigenetisch geschädigten Zellen häufen sich. Erkrankungen treten daher meist zeitverzögert auf.
    Dieser Wirkungsmechanismus ist eine mögliche Erklärung für die Vielzahl der unklaren Erkrankungen, die beim Menschen beschrieben wurden, einschließlich Missbildungen und Krebs. Bei Einwirkung auf die Urgeschlechtszellen während der frühen Embryonalentwicklung können die epigenetischen Veränderungen auf nachfolgende Generationen vererbt werden.
    Dieser Wirkungsmechanismus ist vergleichbar zu dem der endokrinen Disruptoren, den hormonartig wirkenden Chemikalien. Auch deren epigenetische Schäden werden vererbt. Ein Verbot dieser Substanzen wird seit vielen Jahren
    2
    gefordert, aber von der chemischen Industrie aus wirtschaftlichen Gründen
    verhindert.
    Es ist an der Zeit, dass diese globalen Bedrohungen von der Politik anerkannt und
    ausgeschaltet werden. Wir fordern, dass sich die Risikobewertung an den realen
    Expositionen orientiert. Das bedeutet, dass die Stoffe, die den Fertigpräparaten
    zugesetzt werden, um das Eindringen der Wirksubstanz in die Pflanzen zu erleichtern,
    auch in ihrer Wirkung als „Türöffner“ für das Eindringen der Wirksubstanz in die
    empfindlichen Strukturen tierischer Zellen anerkannt werden. Experimentelle
    Untersuchungen müssen so angelegt werden, dass sie epigenetische Effekte wie die
    der endokrinen Disruptoren erfassen, und zwar auch bei den Fertigpräparaten
    (Verkaufsprodukten) der Hersteller. Wir fordern darüber hinaus die Offenlegung aller
    firmeninternen Studien. „Betriebsgeheimnisse“ dürfen keinen höheren Stellenwert
    haben als die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt.
    Eine ausführliche Diskussion mit Quellenangaben finden Sie unter
    http://www.agrarkoordination.de/fileadmin/dateiupload/Roundup___Co/151112_An
    ita_Schwaier_epigenetische_Wirkung_von_Glyphosat.pdf
    14.10. 2015 Anita Schwaier
    Literatur:
    Mesnage R, Defarge N, Spiroux de Vendômois J, Séralini GE. Potential toxic effects of
    glyphosate and its commercial formulations below regulatory limits. Food and
    Chemical Toxicology 2015, 84:133-153.

  6. Jürgen Kruse

    Schleichende und akute Vergiftung durch Pestizide

    Pestizide sind Oberbegriff einer Zusammenfassung von Substanzen, die landwirtschaftlich nicht erwünschte, den Produktionsprozess hemmende Organismen beseitigen oder schwächen, stets mit dem Ziel, Nutzpflanzen ein ungestörtes Wachstum zu ermöglichen. Je nach Einsatzrichtung der Stoffe, gegen Wildkräuter, Insekten oder Pilze, spricht man von Herbiziden, Insektiziden oder Fungiziden. Teils hochtoxischen Wirkstoffen, entwickelt und angewendet zum Töten von Organismen, wird durch die Bezeichnung Pflanzenschutzmittel (PSM) ein ungefährlich scheinendes Bild zugewiesen.
    Bestimmend in der Landwirtschaft ist heute eine chemiegestützte Wirtschaftsweise. Zwangsweise werden viele Kulturen immer häufiger mit Wirkstoffmischungen gespritzt, um eine Resistenzbildung der Zielobjekte zu vermeiden, z. B. in Apfelplantagen bis über 20mal pro Saison – häufig mit mehreren Giften gleichzeitig.*1

    Chemische Keule gegen die Umwelt
    Nach Aussage des Pestizid Aktions-Netzwerks PAN hat die Menge der landwirtschaftlich genutzten Pestizide in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. In der EU wird etwa ein Viertel der weltweit produzierten Pestizide ausgebracht, davon jährlich ca. 46.000 Tonnen allein in Deutschland (2014). Von der städtischen Bevölkerung wird der Pestizideinsatz überwiegend im Kontext mit belastetem Obst und Gemüse wahrgenommen. Pestizidrückstände werden hier als besonders gefährdend für die eigene Gesundheit eingestuft, während die massiven Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf die biologische Vielfalt des Anwendungsgebietes weitestgehend unbekannt sind. Zahlreiche Lebewesen oder Organismen werden, neben den eigentlichen Zielobjekten, durch die toxische Wirkung der Pestizide gefährdet oder getötet. Pestizide schränken zumindest die Nahrungsangebote ein oder zerstören die gesamte Nahrungsgrundlage der Nichtzielobjekte. Nicht nur die behandelten Flächen selbst sind mit Gift belastet, auch angrenzende Biotope, wie z.B. Gewässer, Feuchtwiesen und Moore, werden durch Pestizidabdrift oder Einleitung pestizidhaltiger Erosionen geschädigt. Gefährliche PSM waren 2016 im Halterner Stausee, ein Trinkwasserreservoir, nachzuweisen. Derzeit vorgegebene Schutzzonen um Gewässer und Biotope, mit dem Verbot eines Pestizideinsatzes, sind generell unzureichend. Auch Pestizideinsätze in Gärten und auf kommunalen Flächen bedrohen potentielle Rückzugsräume bedrohter Arten. Werden selbst die vorgeschriebenen Spritzmittelmindestabstände zu Hecken, Wegen, Gräben und Gewässern nicht eingehalten, sind die Umweltschäden enorm und kaum abschätzbar, teils irreversibel.

    Glyphosat-Spritzungen flächendeckend, bis in die Gewässerböschung (Legden, Frühjahr 2016; Privat-Foto)

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    Gift wird bis auf den Wegseitenrand gespritzt, kann verwehen und ausgasen (Foto: privat).

    Chemische Pflanzengifte, wie zum Beispiel glyphosathaltige Produkte, werden in der konventionellen Landwirtschaft nicht nur zur Unkrautbekämpfung eingesetzt, sondern oft verbotenerweise angewendet, um den Reifeprozess des Getreides zu beschleunigen, zur Sikkation. So werden heute Dreschtermine geplant. Die vorgeschriebene Wartezeit bis zur Abernte wird oft nicht eingehalten, mit dem Ergebnis glyphosathaltiger Nahrungs- und Futtermittel. Durch den Einsatz von Pestiziden werden Anbauweisen gefördert, die ohne Pestizidunterstützung nicht funktionierten: Monokulturen, kurze Fruchtfolgen oder der Anbau überzüchteter Hybridsorten.
    Pestizide lagern sich im Boden ab und nicht alle werden innerhalb der Fruchtfolgezyklen abgebaut. Jeder erneute Eintrag lässt die Wirkstoffkonzentration im Boden steigen. Pestizidwirkstoffe haben stets eine Breitbandwirkung, sie schädigen Bodenorganismen und die Mikrobiologie des Bodens. Eine geschädigte Mikrobiologie verhindert oder verzögert den Abbau vieler der Pestizidwirkstoffe. Ein Teufelskreis! Nicht abgebaute Pestizidwirkstoffe gelangen somit in tiefere Bodenschichten und schließlich in das Grundwasser. Die Bodenfruchtbarkeit wird beeinträchtigt, angereicherte, systemisch wirkende Giftstoffe gelangen über das Wurzelwerk in die Folgefrüchte. Nachfolgend angebaute Lebens- und Futtermittel sind daher vielfach zusätzlich mit Wirkstoffen belastet, die im Anbauzyklus der Vorfrucht ausgebracht wurden. Tierische Produkte enthalten folglich Pestizidrückstände, wenn die Tiere mit pestizidbelasteten Futtermitteln versorgt werden. Auf unserer Speisekarte finden wir somit pestizidbelastete pflanzliche und tierische Produkte. Stauberosionen aus Ackerflächen sowie Sprühmittelaerosole verfrachten anhaftende Pestizide in weit entfernte Gebiete. Die Stoffe gelangen in Gewässer, sind sogar festzustellen im Obst, im Gemüse und in Beerenfrüchten biologisch bewirtschafteter Flächen. Pestizide gefährden die gesamte Umwelt sowie unsere Gesundheit. In diesem Zusammenhang interessant, in der Bundesrepublik Deutschland existiert keine einzige öffentlich zugängliche Messstelle, in der die Verschmutzung der Luft mit landwirtschaftlich angewendeten Pestizidwirkstoffen festgehalten wird. Es herrscht amtliches Schweigen.

    Bis auf Wege und in alle Randbereiche hinein: Glyphosat vernichtet Leben (Foto: privat).

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    Pestizide wirken breitbandig und über weite Entfernungen. Wirkstoffmischungen können, in Relation zu den einzelnen Wirkstoffen, ihre Toxizität um ein Vielfaches erhöhen. Einzelne, als bienenungefährlich eingestufte Wirkstoffe wirken in Kombination mit gleichartig bienenungefährlich eingestuften Stoffen hoch bienentoxisch. Bienentoxisch ist weitestgehend gleichzusetzen mit einer allgemein insektentoxischen Wirkung. Diese Kombinations- oder Wechselwirkungen von Pestizidwirkstoffen auf die Umwelt werden bisher als Zulassungskriterium nicht in die Forschungen einbezogen. Absichtlich, um die Zulassung nicht zu gefährden?

    Tiefes Pflügen und ggf. über Winter zur Erosion freigegeben: zerstörtes Bodenleben und Auswaschungen wahrscheinlich (Legden-Asbeck, 2016; Privat-Foto)

    Pestizide wirken also (mit ihren Giften und Nebenstoffen) über Boden, Wasser und Luft (Verwehungen und Einträge über viele Kilometer) schädlich und krankheitsverursachend bzw. tödlich auf Umwelt und Menschen. In der Studie „Pestizide nein danke“ bewertet der Autor Haalck den derzeitigen rechtlichen Rahmen „als Lizenz zum Töten“ und macht für die lebenslangen täglichen „Zwangsexpositionen“ u.a. über vergiftete Felder alle Menschen verantwortlich, die wissentlich oder unwissentlich Pestizide anwenden.*2 
    Recherchen zu Giftanwendungen und -folgen weisen auf fehlende Kontrollen und Meldungen von Pestizidschädigungen und ein Versagen der Landwirtschaftskammer hin. 

    Gefährliche Grenzwert-Bestimmungen
    Die Zulassungspraxis für die Gifte ist mit demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar. Sogenannte Grenzwerte werden rein politisch und durch den massiven Lobbyeinfluss der Chemieindustrie nach Profitgesichtspunkten festgelegt. Beteiligte Stellen sind daher in der Kritik. Der Toxikologe Otmar Wassermann hat schon 1990 in seiner Schrift „Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht“ auf die gezielt schlechte Ausstattung unabhängiger toxikologischer Forschung hingewiesen, die eine erforderliche Gefährdungsabschätzung im Sinne einer Gesundheitsvorsorge erst ermöglicht. Konzerne wie Monsanto, Bayer und Syngenta setzen ihre Profitansprüche mit Verkauf von Umweltgiften durch, obwohl ihnen die epigenetische Wirksamkeit von Glyphosat und anderen Pestiziden und damit die erwiesenen Voraussetzungen für Verbote von Pestiziden bekannt sein dürften. Sie riskieren ohne Skrupel einen Zusammenbruch des Ökosystems und einen Anstieg der physischen und psychischen Erkrankungen der Bevölkerung.
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    Kombinationswirkungen bewusst vernachlässigt
    Gesundheitsschäden können durch Chemikalien bereits in niedrigsten Konzentrationen verursacht werden, die weit unter der jeweiligen Nachweisgrenze liegen. Die Wirkungen der Einzelsubstanzen (Die Pestizide sind Gemische mit Beistoffen, die ebenfalls toxisch=tödlich und langlebig sein können.) addieren sich nicht nur, „in der Regel potenzieren sie sich im mehrdimensionalen Netzwerk biologischer Zusammenhänge“.*3
    Eine Arbeitsgruppe der Biochemikerin  Dr. Irene Witte (Oldenburg)*4 hat nachgewiesen, dass harmlose Konzentrationen von Umweltgiften in der Kombination mit anderen Stoffen giftig wirken können und
    fordert die grundlegende Einbeziehung dieser „Synergismen“ in die toxikologische Bewertung von Schadstoffen.
    Nachgewiesen wurden für etliche Pestizide Wirkungen wie „endokrine Disruptoren“, d.h. sie wirken beim Prozess der Zellteilung schädigend (nicht umkehrbar und ggf. vererbbar) auf die Zellen ein und das schon in Piko- und Nanogramm Mengen, also weit unterhalb der akut toxischen Menge.

    Giftige Brühe von einem Giftspritzen-Unfall auf einem Hof in Vreden-Ellewick (Privat-Foto)

    „Mehr Blühstreifen!
    Auch der herrschenden Agrarlobby kommt das sehr entgegen. Sie würde die Bienen ebenfalls gern aus den chemiegestützten Bauernhöfen woandershin verfrachten und verweist gern auf die „Eh da“-Flächen: Wegböschungen, Straßenränder, Autobahn- oder Bahndämme. Woraus sonst kaum Profit zu schlagen ist, kann immer noch als Reservat für die Bienen dienen. Vorteil: Die Agrobranche wäre ihren Ruf als Bienenkiller los und könnte dennoch weiter hemmungslos Chemie versprühen.“*5
    So werden zwar in einer Studie der DWA* ungenutzte Gewässerrandstreifen gefordert und eine Verhinderung direkter Ableitungen von Oberflächenwasser aus Ackerflächen und Grünland, bei gleichzeitiger strenger Gewässerüberwachung durch zuständige Behörden. Doch die zur Rettung der Arten ausgedachten Dauerblühstreifen auf öffentlichem Grund sind bereits in Gefahr, zum Alibi für weitere Giftpraxis zu verkommen. So kümmert sich u.a. die Lobby-Organisation „Forum Moderne Landwirtschaft e.V.“ (Chemieindustrie, Bauernverband…) um die ökologische Aufwertung von „Eh da-Flächen“ z.B. mit Blühstreifen, damit die Chemie-Landwirtschaft so weitermachen kann, wie bisher. In Rheinland-Pfalz sind gar das Land, das gemeinsam mit der BASF betriebene „Institut für Agrarökologie“ und Hochschulen dabei.
    Dennoch sind neue Biotopverbundlinien besonders auf zurückgeholten kommunalen Wegseitenrändern in Form von ökologisch bedeutsamen Hecken und Dauerblühstreifen für die Biodiversitätssicherung enorm wichtig (www.hecke.wg.vu).

    Viele Jahre nach Veröffentlichung des Buches „Stummer Frühling“, in dem die amerikanische Autorin Rachel Carson das von Agrarchemikalien ausgelöste Vogelsterben beschreibt, ist der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft immer noch viel zu hoch.
    Immer mehr Menschen fällt das Verschwinden der Insekten und Vögel sowie Blühpflanzen auf. Mittlerweile scheint die Artenvielfalt in manchen städtischen Regionen größer zu sein als in -5-
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    landwirtschaftlich geprägten Regionen. Pestizide haben -auch nach Umweltbundesamt- einen „erheblichen negativen Einfluss auf die biologische Vielfalt“.
    Raffinierte PR-Aktion der Agrochemie-Industrie mit dem Bauernverband: „Pflanzenschützer“ erzählen Märchen über Gift!

    Da die mit Steuergeldern geförderte industrialisierte Landwirtschaft ohne Giftcocktail nicht möglich ist, brauchen wir eine Agrarwende, weg von synthetischen Pestiziden und Düngern, die natürliche Prozesse und Systeme zerstören, hin zur umweltschonenden Alternative, dem Landbau nach streng ökologischen Richtlinien, mit nachhaltiger Bewirtschaftung, unter Einhaltung mehrjähriger Fruchtfolgen und ohne Einsatz chemisch-synthetischer Wirkstoffe. Bio-Lebensmittel für alle sind angesagt, regional und sozial.

    Herbert Moritz (Heek) und Jürgen Kruse (Legden)
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    Anmerkungen:
    *1 Fünf-Punkte-Programm für einen nachhaltigen Pflanzenschutz, Umweltbundesamt 2016.

    *2 Klaus Friedrich Haalck, Pestizide nein danke, Berlin 2013 (u.a.: S. 14, 24/25 und 140-143). – Auf die erwiesene Gefährlichkeit des Totalherbizids Glyphosat weist Monika Krüger hin: http://www.zivilcourage.ro/pdf/Risiko-Glyphosat.pdf

    *3 Otmar Wassermann u.a., Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht,
    Frankfurt/M. 1990, S. 9.

    *4 Witte, I. (2012). Kombinationswirkungen von Umweltgiften. In: Steinmetz, Bernd &Trautmann, Sandra (Hrsg.): Vergiftet und allein gelassen. Arbeitsmedizin und Umweltmedizin im Schatten wirtschaftlicher Interessen. Weimar: Bertuch Verlag. – So fordert auch Anita Schwaier, dass experimentelle Untersuchungen
    so angelegt werden, dass sie epigenetische Effekte wie die der endokrinen Disruptoren erfassen, und zwar auch bei Misch- und Fertigpräparaten (https://www.agrarkoordination.de/fileadmin/dateiupload/Roundup___Co/151124_Epigenetische_Wirkung_von_Glyphosat_Anita_Schwaier_Kurzfassung.pdf )
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    *5 Quelle: Hans-Ulrich Grimm, Die Fleischlüge, Wie uns die Tierindustrie krank macht, Droemer-Knaur-Verlag, München 2016, Seite 152 – 154.

    *DWA=Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V., Hennef
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    Hinweise – Siehe auch:
    http://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/20111201-Hintergrund-Umweltfolgen-der-Landwirtschaft.pdf

    Wie die industrialisierte Landwirtschaft die Umwelt zerstört, http://www.nachdenkseiten.de/?p=29219

    Wie industriehörig mit krankmachenden und umweltschädigenden Pestiziden und den Genehmigungs-verfahren in Deutschland umgegangen wird, zeigt das Umweltinstitut München auf:
    http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide.html
    http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/pestizidrueckstaende.html
    So ist das Zulassungsverfahren für Glyphosat unverantwortlich für Mensch und Umwelt:
    http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/glyphosat.html

    Informationen zur weiteren Vergiftung mit Pestiziden siehe auch: https://umweltvinschgau.files.wordpress.com/2011/11/links-zum-thema-pestizide-in-lebensmitteln-texte.pdf und: https://umweltvinschgau.files.wordpress.com/2011/11/links-zum-thema-pestizide-in-lebensmitteln-filme.pdf und: https://netzfrauen.org/2015/06/30/17-gruende-warum-glyphosat-verboten-werden-muss-seventeen-reasons-to-ban-glyphosate/

    Gefahren durch Pestizide in Lebensmitteln: https://www.youtube.com/watch?v=YdrbrMAtNos

    „Gekaufte Forschung – Wie Konzerne an deutschen Hochschulen forschen lassen“
    http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/gekaufte-forschung-100.html

    Ohne Pestizide wäre es besser: http://www.spektrum.de/wissen/geht-landwirtschaft-auch-ohne-pestizide/1429861
    Schmetterlinge – Artensterben-Art. – BUND Freiburg:
    http://www.bund-rvso.de/downloads/Schmetterlingssterben%20Flyer%202016-min.pdf
    http://www.bund-rvso.de/schmetterlingssterben.html

    http://www.pan-germany.org/deu/~news-1436.html
    Artensterben im Agrarland und auf unseren Äckern

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