Archiv der Kategorie: Konflikte – Friedensarbeit – Friedenskreis

Was kostet uns das Rüsten?

Quelle: BsV

Man mag es gar nicht glauben: eine Flugstunde des Eurofighters kostet soviel wie eine neue Sozialwohnung. Ein einzelner Eurofighter kostet fast dreimal soviel wie der Jahreshaushalt des Zivilen Friedensdienstes.

Krieg mit physischer Gewalt führen heute in der Regel die Geheimdienste. Das ist billiger, schneller und effektiver. Was also soll dann Rüstung? Eine sinnvolle Ergänzung ist der Zivile Friedensdienst. Über diese Relationen der Kosten kann sich jeder selbst ein Urteil bilden. Und dann die Wahlprogramme studieren.

https://soziale-verteidigung.de/system/files/vergleich_ruestungs-_und_sozialausgaben_2021_web_0.pdf

Auch 2021 wieder ein Ostermarsch im Kreis Coesfeld

Achtsam demonstrieren: Ostermärsche finden auch 2021 stattAm Ostermontag startet unter Federführung der Friedensfreunde Dülmen wieder ein Ostermarsch im Dülmener Ortskern. Nach einer Auftaktveranstaltung im Ort bewegt sich der Demostrationszug zu den Tower Barracks zu einer einstündigen Blockade.

Osteraktion 2021 in Dülmen

Termin

Montag, 5. April 2021 – 11:00

Osteraktion 2021 in Dülmen „Mehr Verantwortung übernehmen – ´ Sicherheit neu denken!´“, Start: 11 Uhr, Charleville-Mezieres-Platz, Grußwort: Robert Hülsbusch (FI Nottuln), Redner*innen: Franz Gerding (Thema: Sicherheit neu denken), Hildegard Maier (Thema: Der vergessene Krieg in Syrien), Jean Gottfried Mutombo (Elend au der Südhalbkugel), anschl. Demonstration zu den Tower Barracks und dort einstündige symbolische Blockade der Zufahrt zum US-Waffendepot „Tower Barracks“, Redner*innen: Kathrin Vogler (MdB Die Linke), Penelope Glenn (Friedensfreunde Dülmen), Johannes Waldmann (SPD), Brigitte Hornstein (IPPNW/ICAN), Musik: Klaus Stegemann, [Flyer siehe hier], VA: Friedensfreunde Dülmen, FI Nottuln, Friedenskreis Havixbeck, Friedenskreis Senden, Pax Christi Coesfeld, Lüdinghausen, Billerbeck (= Friedensgruppen in Kreis Coesfeld)(Veranstaltung unter den dann gültigen Coronabedingungen)

Nein zu Rassismus, Antisemitismus, Feindbildproduktion und Geschichtsklitterung!

Attac-AG Europa (die Agenda21Senden erklärt sich solidarisch)

Erklärung zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz von der Roten Armee befreit. Das Lager war Teil des Mordsystems des deutschen Faschismus und ist seither Symbol für das singuläre Menschheitsverbrechen des Holocaust an den Juden. Auschwitz steht auch für alle anderen Menschen, „die der Nationalsozialismus planmäßig ermordete oder noch vernichten wollte,“ wie es im Gesetz zum Gedenktag von 1996 heißt, Sinti, Roma, Behinderte, sowjetische Kriegsgefangene, unzählige Zivilisten Osteuropas, die in den Vernichtungslagern
zu „Untermenschen“ degradiert, versklavt und ermordet wurden. Die Erinnerung darf nicht enden und muss für die heutigen Generationen zur Wachsamkeit gegen alle Tendenzen mahnen, die zu Auschwitz geführt haben, was gerade in Anbetracht des erschreckenden Ausmaßes an menschenverachtenden Ideologien und Rechtsterrorismus wichtiger denn je ist. Deshalb engagieren wir uns aktiv im Kampf gegen Rassismus,
Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Rechtsentwicklung, Neofaschismus und soziale Ungleichheit.
Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!
Uns treibt um, dass die Lehren aus der Vergangenheit zunehmend verblassen oder gar für andere Zwecke instrumentalisiert werden. Bereits der skrupellose Missbrauch von Auschwitz zur Rechtfertigung des völkerrechtswidrigen Krieges gegen Jugoslawien 1999 durch den damaligen Außenminister Joschka Fischer war eine schockierende Relativierung des Holocaust. Daran schloss sich mit der Sezession des Kosovo erstmals nach 1945 in Europa eine Grenzveränderung durch militärische Gewalt an.
Gleichzeitig zerstörte die Ostexpansion der NATO die Chancen auf eine Zone der Sicherheit und
Kooperation von Lissabon bis Wladiwostok. Russland wurde – lange vor der Ukraine-Krise – wieder das Image eines Feindes verpasst. Gegenwärtig erleben wir, wie Ähnliches mit China geschieht und in atemberaubendem Tempo die Bühne für einen Kalten Krieg 2.0. bereitet wird. Daneben wird weiterhin das Feindbild Islam ausgebaut – ein außerordentlich nützliches Feindbild für die Kriege im Nahen Osten und in Nordafrika.
Waffen, Rüstungsproduktion und Armeen sind notwendige Grundlagen für Krieg. Ein wesentlicher Treiber der Gewalt unter kapitalistischen Bedingungen ist dabei die weltweite Jagd nach Rohstoffen und immer neuen Profitquellen, Krieg als Fortsetzung der Profitmaximierung mit militärischen Mitteln. Aber immer hängt die Bereitschaft einer Bevölkerung zu Konfrontation und Krieg auch von den entsprechenden Feindbildern ab.
Feindbilder – ideologische Grundlage für Konfrontation und Aggressionsbereitschaft
Feindbilder zeichnen sich durch eine simple, binäre Weltsicht aus. Der Feind wird als vollkommen böse dargestellt, und wir sind die Guten. Gegenwärtig verläuft die Berichterstattung über Russland und neuerdings auch über China prinzipiell nach dem gleichen Muster. Die Zwischentöne zwischen absolut Böse und Gut werden ausgeblendet. Mit der Zeit verfestigen sich so die Feindbilder. Ein typisches Resultat dafür bringt im Zusammenhang mit dem russischen Corona-Impfstoff DIE WELT auf den Begriff; „Auch wenn ein russische Produkt im internationalen Wettbewerb mithalten kann, der Stempel des Russischen ist und bleibt ein Makel.“ (4.11.2020; S. 10). Die Qualität einer solchen Feststellung
erschließt sich in voller Tragweite, wenn man sich vorstellt, anstelle von russisch stünde amerikanisch oder gar israelisch.
Die meisten großen Medien sind Teil dieser Dynamik. Sobald es um die „äußeren Feinde“ geht, betreiben sie häufig staatstragende Hofberichterstattung und stellen kaum mehr kritische Fragen. Unüberprüfbare Verlautbarungen von Geheimdiensten werden plötzlich zu Quellen unhinterfragter Wahrheit. Jüngste Beispiele sind die grotesken Inszenierungen um die Fälle Skripal und Nawalny.

Kein Feindbild ohne idealisiertes Selbstbild
Zum Feindbild gehört immer auch ein idealisiertes Selbstbild. Wir sind die Guten, böse sind die anderen. Das Schema wird dann gern noch emotional durch Patriotismus untermauert. Da Patriotismus hierzulande aber zurecht ziemlich diskreditiert ist, gibt es zunehmend Versuche, die Sache als Europatriotismus zu verpacken.
Wer von Patriotismus nicht reden will, spricht lieber von „europäischen“ Werten. Aber auch das läuft auf eurozentristisches Überlegenheitsdenken hinaus. Natürlich haben Werte wie Demokratie und Menschenrechte – inklusive die der zweiten Generation, der ökonomischen, sozialen und kulturellen Menschenrechte – als normative Leitbilder universelle Geltung. Aber gerade diese universelle Geltung wird
ausgehebelt, wenn sie in den internationalen Beziehungen selektiv gehandhabt und für geopolitische Interessen instrumentalisiert wird. Im Vergleich zu Saudi-Arabien steht Russland bei Demokratie und Menschenrechten ganz anders da. Dennoch werden zu Riad enge wirtschaftliche, politische und militärische Beziehungen gepflegt, während gegen Moskau Kalter Krieg geführt wird.
Geschichtsfälschung
Teil von Feind- und Selbstbildproduktion war schon immer Geschichtspolitik, d.h. die Manipulation der historischen Wahrheit. Mit Erschrecken stellen wir fest, dass auch die EU beim Zweiten Weltkrieg mit seinen über 70 Millionen Toten, davon 27 Millionen Sowjetbürger, Geschichtsfälschung betreibt.
So z.B. in der Erklärung „Bedeutung der Erinnerung an die europäische Vergangenheit für die Zukunft Europas“ des Europaparlaments vom 19.09.2019, in dem der Zweite Weltkrieg zu einem Gemeinschaftsprojekt von Hitler und Stalin verfälscht wird. Das ist eine skandalöse Relativierung der deutschen Verantwortung für den Krieg. Auch in Dokumenten von Kommission und Rat finden sich ähnliche Fälschungen.
Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist gründlich erforscht und dokumentiert. Die Belege dafür, dass Hitler von Anfang an auf Krieg zusteuerte, um die Ergebnisse des Ersten Weltkriegs zu revidieren und Osteuropa für „die Herrenrasse“ und „das Volk ohne Raum“ zu unterwerfen, sind erdrückend. Die Beweiskette reicht u.a. von seinem Machwerk „Mein Kampf“ und der Wahnidee von der jüdischbolschewistischen Weltverschwörung, über die massive Aufrüstung nach 1933, das Eingreifen der „Legion Condor“ auf Seiten der Truppen des faschistischen Generals Franco gegen die gewählte Regierung in Spanien 1936-1939, die Annexion Österreichs im März 1938, die Besetzung des Sudetenlandes im Oktober 1938, der Frankreich und England im Münchener Abkommen zugestimmt hatten, die Zerschlagung der Tschechoslowakei bis zum Beschluss über den Überfall auf Polen im Mai 1939. Auch in den Nürnberger Prozessen wurde die Alleinschuld Deutschlands eindeutig nachgewiesen.
Man muss kein Historiker sein, um zu erkennen, dass die Behauptung in der Resolution des EUParlaments, Hitler und Stalin hätten durch den Nichtangriffspakt, den sie acht Tage vor Kriegsbeginn abschlossen, die Weichen für den Zweiten Weltkrieg gestellt, die Vorgeschichte des Krieges auf absurde Weise verfälscht.
Friedenspolitik statt Kalter Krieg
Vor dem Hintergrund der dramatischen Umbrüche im Internationalen System, der neuerlichen Zunahme der Atomkriegsgefahr durch die Kündigung der Rüstungskontrollabkommen und neue Technologien – Stichwort: Digitalisierung, Hyperschallwaffen, Drohnen – sowie der globalen Herausforderungen durch Pandemien, wachsende Armut und wachsenden Reichtum, Klimakrise und Verlust der biologischen Vielfalt ist ein neuer Kalter Krieg purer Wahnsinn. Friedliche Koexistenz, vertrauensbildende Maßnahmen,
Völkerrecht und Menschenrechte, internationale Kooperation und Abrüstungsschritte sind
Voraussetzungen, die globalen Probleme zu meistern.
Notwendig sind breite solidarische, antirassistische und antifaschistische Bündnisse im Kampf gegen soziale Ungleichheit, Privatisierung, Militarisierung und Überwachung sowie für eine Stärkung der Grundrechte und konsequente Umwelt- und Klimagerechtigkeit.

27. Januar 2021

Fest für Frieden, Demokratie und Toleranz „Hier ist das Volk“ (WN Kreis Coesfeld)

Nottuln – Das Fest für Frieden, Demokratie und Toleranz war ein voller Erfolg. Nach Behördenangaben waren rund 650 Menschen gekommen, um so ein sichtbares Gegengewicht zur Versammlung des AfD-Kreisverbandes zu schaffen.

Von Frank Vogel (WN Kreis Coesfeld) Freitag, 04.12.2020

Solidarisch, vielfältig und ordnungsgemäß mit Masken – die Nottulnerinnen und Nottulner bezogen nicht nur Position, sondern verhielten sich auch diszipliniert. Polizei und Ordnungsamt waren sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung.
Solidarisch, vielfältig und ordnungsgemäß mit Masken – die Nottulnerinnen und Nottulner bezogen nicht nur Position, sondern verhielten sich auch diszipliniert. Polizei und Ordnungsamt waren sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Foto: Johannes Oetz

Nottuln ist vielfältig – und Nottuln bezieht Position. Das war die Botschaft des Festes für Frieden, Demokratie und Toleranz, das am Freitag auf dem Kastanienplatz und auf der Stiftsstraße gefeiert wurde. Weit mehr als die erwarteten 500 Zuhörerinnen und Zuhörer – Polizei und Ordnungsamt schätzten rund 650 Personen – waren gekommen, um ein sichtbares Gegengewicht zu der in der Alten Amtmannei stattfindenden Versammlung des AfD-Kreisverbandes zu bieten. Zu dieser waren nach Angaben des Not-Vorsitzenden Martin Schiller zehn Mitglieder und zehn Gäste gekommen.

Initiative und Organisation des Festes hatten die Nottulner Grünen übernommen, unterstützt wurden sie dabei, wie Moderatorin Anke Zandman erklärte, von rund 40 Vereinen, Gruppen, den Kirchengemeinden und allen politischen Parteien Nottulns. Musikalisch mitgestaltet wurde der Abend von den Sambagruppen „Nosamba“ und „Bateria de CoeCoe“, von Ulf Georgiew auf dem Dudelsack und Bluesmusikern, die im Anschluss an die Ansprachen spielten.

Fest für Frieden, Demokratie und Toleranz

Mit einem Fest für Frieden, Demokratie und Toleranz begegneten die Nottulner der Versammlung der AfD-Kreisverbandes.                                                                                                  Foto: Johannes Oetz

Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes fragte sich in seiner Rede, woher die neue „Faszination des Autoritären“ kommt. Immerhin seien 0,6 Prozent der Stimmen bei der Kreistagswahl 2020 an die AfD gegangen. Deren menschenverachtenden Einlassungen hielt Thönnes positive Fakten entgegen: Eine Erinnerungskultur, die Voraussetzung dafür ist, dass nie wieder Menschen ausgegrenzt und ermordet werden, die gemeinsame Anstrengung für eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder, das Engagement für eine Politik der Menschlichkeit, der Integration und des Friedens.

„Aber unsere Demokratie hat auch 2020 noch keinen Ewigkeitswert“, mahnte er. Es gebe Fliehkräfte, die in den vergangenen Jahren größer geworden seien. Die wachsende Polarisierung verschaffe den Populisten Auftrieb. „Sie setzen das Eigene absolut, Kompromissbereitschaft tun sie als Schwäche ab, und ihr ‚Wir‘ ist lediglich eine Verlängerung des eigenen ‚Ich‘“. Überzeugende Lösungen kämen von denen, die die Parteiendemokratie abgeschrieben hätten, nicht. Es müsse aber gelingen, die Menschen zu integrieren, alte Strukturen grundlegend zu öffnen und offen für neue gesellschaftliche Realitäten zu sein. „Vor allem muss es uns gelingen, auch heute wieder glaubhaft und mitreißend Zukunft zu entwerfen.“

Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes

Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes                                                                      Foto: Johannes Oetz

Das ist nicht leicht. „Man muss sich aufraffen für die Demokratie“, zitierte Thönnes Willy Brandts Wort „Mehr Demokratie wagen“. „Die Demokratie ist die Staatsform der Mutigen. Und das sind wir.“

Der AfD habe er nicht die Rolle des Opfers zugestehen wollen, indem er ihr als Bürgermeister die Alte Amtmannei als Versammlungsort verwehrt. Das wäre undemokratisch gewesen, so Thönnes. Vielmehr gebe man der AfD wortwörtlich sogar einen Raum für ihre Meinungen. „Aber diese Meinungen teilen wir ganz und gar nicht.“ Weniger Demokratie sei keine Alternative – nicht für Deutschland, nicht für den Kreis Coesfeld und erst recht nicht „für unser gastfreundliches, schönes Stiftsdorf!“

Genau wie Dr. Thönnes hatte auch Pfarrdechant Norbert Caßens von der Pfarrgemeinde St. Martin auf die Anfrage, ob er sprechen wolle, nicht gezögert. Viele in der Kirche hätten „zu lange geschwiegen – 1933, 1939, 1945 und danach.“ Er werde nicht vergessen, wie AfD-Poltiker Alexander Gauland nach der Bundestagswahl 2017 gesagt habe: „Wir werden sie jagen. Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen. Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“ Dieses Zitat griff Caßens mehrfach auf und hielt seine Meinung dagegen.

Ihn begeistere Demokratie, verwies er auf die Vielfalt, die sich auch in den Plakaten auf dem Kastanienplatz zeige. Er lobte die Redefreiheit, das Ringen um Meinungen, um die Erinnerungskultur, die die Opfer nicht sprachlos zurücklasse, er blicke auf die Barmherzigkeit, „jenen alten christlichen Wert, den wir heute auch Solidarität nennen“, und er denke an alle, die nicht spalten, sondern Menschen zusammenführen – von der Flüchtlingsinitiative bis zur Städtepartschaft und den Vereinen im Dorf.

Pfarrdechant Norbert Caßens

Pfarrdechant Norbert Caßens                                                                          Foto: Johannes Oetz

Allerdings, so Caßens, erlebe er Demokratie nicht nur als Fest. „Sie kann auch anstrengend sein.“ Im Blick auf seine elf Jahre in Nottuln habe er erfahren: „Du kannst nichts tun, nichts sagen, ohne dass nicht irgendjemand wieder was zu meckern hat.“ Aber eben das sei Demokratie: „Arbeit, richtig harte Arbeit“, zitierte er Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. Demokratie koste Zeit, Interesse, Energie, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Demut des Zuhörens und einen langen Atem.

Demokratien müssten lernfähig sein. In pandemischen Zeiten etwa dürfen Parlamente und Bundestag nicht – der Geschwindigkeit geschuldet – auf der Strecke bleiben. Und Demokratien müssten wehrhaft bleiben. Dazu gehöre die Fähigkeit zur Toleranz. Es dürfe nicht darum gehen, die Vertreterinnen und Vertreter der AfD auszugrenzen. „Aber es geht darum, sich von ihren politischen Haltung und Äußerungen abzugrenzen, ihre Wirkung klar einzugrenzen.“ Er toleriere nicht, wenn Menschen Neid und Hass säen, rassistische und religiöse Ressentiments schüren, Antisemitismus verharmlosen und Geflüchtete dämonisieren.

Der Pfarrdechant kritisierte, dass man sich von der AfD nicht jagen lassen dürfe, indem man Feste nur da feiere, wo diese auftaucht. Er plädierte dafür, zukünftig öfter Feste für Frieden, Demokratie und Toleranz zu feiern, etwa am Europatag am 9. Mai oder am Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober. Oder vom 5. bis 12. September, wenn Nottuln sich an der Woche „1700 Jahre jüdisches leben in Deutschland“ beteilige. Dazu lade er auch die AfD-Vertreter ein, denen er zurief: „Schauen Sie aus dem Fenster: Hier ist das Volk – bunt und vielfältig. Hier ist das Land – ein Teil davon, lebendige Demokratie. Hier ist unser Dorf Nottuln – friedlich, demokratisch, tolerant.“

Den kompletten Artikel und alle Bilder findet Ihr hier auf der Kreisseite der WN

Die Agenda21Senden war Mitveranstalter und mit einer Gruppe auch anwesend.

Bernd und Joachim, beide Agenda21Senden und Attac-COE, zeigen das von Joachim entworfene und viel beachtete Banner.

Etwas abseits vor der Martinskirche standen die Landwirte mit ihren Treckern.

Das schöne, beschauliche Stiftsdorf signalisiert in überwältigender Einigkeit: Die AFD ist hier unerwünscht!  Fotos: Sven

 

Stellungnahme der Agenda21-Gruppe in Senden zur aktuellen Rassismusdiskussion

Wie auch etliche andere Gruppen in unserer Gemeinde tritt traditionellerweise auch die Agenda21Senden für die Förderung gesellschaftspolitischen Friedens ein. Immer schon taten Menschen sich leichter damit, in Frieden miteinander zu leben, wenn sie Verständnis füreinander haben. Insofern ist auch für das Erfassen des eigentlich unfassbar unmenschlichen und grausamen weltweiten Rassismus Verständnis hilfreich.

Dafür benötigt es einen Blick zurück in die Geschichte der Menschheit im Allgemeinen und der Deutschen im Besonderen:

Vor rund 150 Jahren entstand aus zunächst privatwirtschaftlichen Interessen Einzelner ein internationaler Wettbewerb um die illegale Besetzung fremder Territorien in den Ländern des globalen Südens, beschönigend Kolonialisierung genannt. Auch Deutschland beteiligte sich eifrig an diesem Länderraub, der sich moralisch nur damit rechtfertigen ließ, dass die ursprünglich dort ansässigen, sogenannten „Eingeborenen“ zu unreifen, minderwertigen und deswegen zu belehrenden Halbmenschen erklärt wurden.

Praktischerweise ließ und lässt sich mit der gewaltsamen Ausnutzung der Menschen des globalen Südens damals und heute noch immer vortrefflich privatwirtschaftlich hoher Gewinn erzielen. Somit ist es noch immer im Interesse Einzelner, aber auch wirtschaftlicher Zusammenschlüsse, ein solches abwertendes Bewertungsmuster im Denken der Menschen zu erhalten.

Ob er nun Diamanten für die Vermehrung des Reichtums im deutschen Kaiserreich mit bloßen Händen aus einer südwestafrikanischen Miene kratzte, 12 Stunden am Tag an der Elfenbeinküste Kakaobohnen erntet, in nigerianischen Uranminen vergiftet wird oder im Kongo nach Koltan für die Smartphone-Gier der westlichen Bevölkerung schürft, für den ausgebeuteten, oft minderjährigen, afrikanischen Minenarbeiter fühlt es sich vermutlich ähnlich an, wenn seine Haut unter der Peitsche des Vorarbeiters aufplatzt.

Wenn wir es damit ernst meinen, rassistisches Denken abzuschaffen, werden wir nicht umhinkommen, erstens unsere sogenannte „Kolonialgeschichte“ und die daraus resultierenden Vorurteile gesamtgesellschaftlich zu verarbeiten und zweitens vollständig damit aufhören, aus der unmenschlichen Ausbeutung der Bevölkerung früherer Kolonien persönlich und wirtschaftspolitisch Nutzen zu ziehen.

Die logische Folge dessen ist eine grundlegende Veränderung unserer Lebensweise und unseres Wirtschaftssystems, die bislang auf dieser Ausnutzung basieren und perfiderweise gleichzeitig durch den Ausstoß enormer Mengen von Klimagasen auch noch die klimatischen und landwirtschaftlichen Lebensbedingungen im globalen Süden massiv verschlechtern.

Leider scheint die Menschheit im Allgemeinen und die deutsche Bevölkerung im Besonderen im Moment weit weg davon zu sein, diese beschriebenen Formen von geopolitischem Rassismus abzuschaffen. So zeigt sich derzeit beispielsweise in Deutschland sowohl in der Bundeswehr als auch unter den Polizeikräften leider bei so manchem eine zunehmende Tendenz zu rechtsradikalem Denken und Handeln. Da rechtsradikale politische Strömungen psychologisch davon leben und sich dadurch rechtfertigen, das Fremdartige notfalls auch gewaltsam und bewaffnet abzuwerten und abzuwehren, verwundert es nicht, wenn Menschen mit faschistischen Einstellungen bei ihrer Berufswahl zum Dienst an der Waffe neigen.

Hoffnungsvoll stimmt dabei die aktuell lebhafte, gesellschaftspolitische Debatte darüber.

Die Artikel des Grundgesetzes beginnen mit dem oft zitierten Satz „die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. 1 Abs. 1). Nirgendwo steht, dass dieser Satz nur auf Menschen mit weißer Haut beschränkt ist.

Viele gesellschaftspolitisch engagierte Menschen in Senden füllen diesen Grundsatz mit Leben, das zeichnet Senden aus und macht es lebenswert.

Bettina Bicknese, Agenda21Senden

Manöver Defender 2020 ist überflüssig und falsch

P R E S S E M I T T E I L U N G

Evangelische Friedensarbeit: „Defender 2020“ ist eine überflüssige und falsche
militärische Machtdemonstration

Aus der evangelischen Friedensarbeit gibt es deutliche Kritik an dem in diesen Tagen
beginnenden NATO-Manöver „Defender 2020“. Nach Ansicht der Aktionsgemeinschaft Dienst
für den Frieden (AGDF) und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK)
ist diese militärische Großübung, die in April und Mai dann auch in Deutschland
schwerpunktmäßig ablaufen wird, ein „falsches Signal und eine überflüssige und falsche
militärische Machtdemonstration“, so die beiden Verbände.

„Ich finde es bedenklich, dass Russland zunehmend nicht mehr als Partner, sondern als Gegner
gesehen wird. Dies wird durch ein solches Manöver der NATO, das sich erkenntlich gegen
Russland richtet, noch verstärkt“, kritisiert Christine Busch, die Vorsitzende der AGDF. Dies sei
ein falsches Zeichen der Konfrontation in einer Zeit, in der ein Dialog dringend erforderlich wäre,
so Christine Busch, die deutlich macht: „Es ist an der Zeit, sich an die NATO-Russland-Grundakte
zu erinnern und ein neues Vertrauensverhältnis anzustreben.“

Dies unterstützt auch die EAK. „Statt jetzt militärische Stärke zu demonstrieren, sollte nun lieber
der NATO-Russland-Rat stärker in den Blickpunkt genommen werden. Und auch die OSZE
wieder zu einem Ort von Verhandlungen und Gespräche genutzt werden“, betont Lutz Krügener,
Friedensbeauftragter der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und einer der
Sprecher der EAK. Auch wenn diese Gespräche angesichts vieler ungeklärter Konflikte wie der
Krim oder dem Krieg in der Ukraine und den Aufkündigungen von Atomwaffenabkommen sicher
nicht leicht seien, so ist Krügener doch überzeugt: „Gespräche, Verhandlungen und der Aufbau
von gegenseitigem Vertrauen müssen die Perspektiven der Sicherheitspolitik sein. So sagen es
auch die Leitlinien der Bundesregierung. Militärische Konfrontation ist der falsche Weg.“

Die evangelische Friedensarbeit befürchtet hier auch ein gegenseitiges Hochschaukeln der
Rüstungsspirale durch militärische Machtdemonstrationen. „Auch Russland trägt mit seinen
Großmanövern der vergangenen Wochen einen großen Teil dazu bei und sorgt so für Unsicherheit und Ängste in den baltischen und osteuropäischen Ländern. Das NATO-Manöver
Defender 2020 trägt nun aber nicht zur Entspannung bei“, sagt Michael Zimmermann, der
Friedensbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und
Vorstandsmitglied der EAK. Der letzte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow habe kurz vor
der Wiedervereinigung von einem gemeinsamen europäischen Haus gesprochen. „Das sollten
sich alle vor Augen führen. In diesem Haus müssen nicht alle einer Meinung sein, aber sie sind
doch miteinander verbunden und aufeinander angewiesen. Dazu passt die jetzige militärische
Konfrontation auf keinen Fall“, so Zimmermann.
„Eine Politik der Stärke, in der nationale Grenzen mit militärischer Macht verändert werden, ist
ein bedrohliches Signal“, betont die AGDF-Vorsitzende Christine Busch. Angesichts einer
zunehmenden Aufrüstung auf beiden Seiten, der Kündigung von Abrüstungsabkommen und
einer beginnenden nuklearen Rüstungsspirale müsse jedoch nun alles unternommen werden,
um für eine Entspannung und Deeskalation zu sorgen, fordern die beiden Friedensverbände
nachdrücklich.
30. Januar 2020/dj
Für Rückfragen:
Jan Gildemeister (AGDF): Telefon 0228/24999-13
Wolfgang Burggraf (EAK): Telefon 0228/24999-25

Krieg ohne uns! Desertion und Militärstreik im I. Weltkrieg

Rudi und Talib

Senden. In einer etwa 75-minütigen Szenischen Lesung werden Rudi Friedrich von Connection e.V. und der Gitarrist Talib Richard Vogl denjenigen Raum geben, die sich mit ihrer Desertion oder auf andere Art und Weise gegen den I. Weltkrieg wandten. Mit Texten u.a. von Dominik Richert, Ernst Toller, Wilhelm Lehmann und Richard Stumpf, mit Gedichten, Liedern und Musik werden sie ihren Erlebnissen, Gedanken, Motiven und Konsequenzen nachgehen, auch mit Verweis auf die aktuelle Bedeutung.

Am I. Weltkrieg 1914 bis 1918 beteiligten sich 40 Staaten, 70 Millionen Soldaten standen unter Waffen. Insbesondere in Westeuropa, auf dem Gebiet Frankreich und Belgiens, entwickelte sich eine Material- und Menschenschlacht zwischen den Kriegsparteien. Für die Soldaten wurden die über Jahre hinweg industrialisiert geführten Gefechte in den Schützengräben zur alltäglichen Realität. Fast zehn Millionen Soldaten starben, die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschätzt

In Deutschland war 1914 die Kriegsdienstverweigerung so gut wie unbekannt. Trotz einer anfänglichen Kriegsbegeisterung entzogen sich aber zunehmend Rekruten und Soldaten der Beteiligung am I. Weltkrieg. In den Marinehäfen traten 1918 Soldaten in den Streik. Zwischen 750.000 und 1 Mio. entzogen sich auf unterschiedlichste Art dem Dienst oder verschwanden in der Etappe. Insbesondere im zaristischen Russland und in Deutschland desertierten 1917 und 1918 sehr viele Soldaten. Sie wendeten sich damit gegen die Weiterführung eines Krieges. Es handelte sich um einen verdeckten Militärstreik.

Daran anknüpfend gab es in der Weimarer Republik intensive Diskussionen über Strategien der Kriegsdienstverweigerung und andere Möglichkeiten des Widerstandes gegen Krieg. Die War Resisters‘ International wurde aufgrund der Erfahrungen von Kriegsdienstverweigerern nach dem I. Weltkrieg 1921 gegründet. In einigen nachfolgenden und auch in aktuellen Kriegen hatte und hat die Verweigerung der Kriegsbeteiligung große Bedeutung. Die Erfahrungen des I. Weltkrieges zeigten, dass Kriegsdienstverweigerer und Deserteure Unterstützung und Schutz vor dem Zugriff der kriegsführenden Parteien brauchen. Das gilt bis heute.

Rudi Friedrich (Trompete, Lautpoesie, Lesung) und Talib Richard Vogl (Gitarre, Lautpoesie, Lesung) bieten mit einer tiefsinnig und kurzweilig gestalteten Szenischen Lesung einen aufschlussreichen Einblick in die damalige Zeit. Nach der Szenischen Lesung wird es die Möglichkeit für ein Gespräch geben. Die Agenda21Senden und der Sendener Friedenskreis laden in die Friedenskirche, Steverstraße 3, ein, wo die Veranstaltung am Samstag, den 23. November, um 19.30 Uhr beginnt. Eintritt 5 €.

www.Connection-eV.org – http://talibrichardvogl.de

Am Antikriegstag Fahrrad-Sternfahrt nach Münster

Friedensbewegte Menschen aus Senden machen sich um 13.30 Uhr über Bösensell auf den Weg nach Tilbeck, um sich um 14.30 Uhr mit anderen Friedensgruppen aus dem Kreis Coesfeld zu treffen. 15 Uhr geht es dann gemeinsam weiter nach Münster.

Organisation:

Friedens Freunde Dülmen e.V.

Am Antikriegstag auf Fahrrädern nach Münster

In Münster findet am 1. September um 17 Uhr seit vielen Jahren eine Antikriegskundgebung des DGB Münster statt. In diesem Jahr richten die Ärzte zur Verhinderung eines Atomkriegs (IPPNW) zusätzlich ab 13 Uhr ein Friedensfest an der Promenade/Ecke Kanalstraße aus.

Programm

WN: „Letzte Meile“ mit der Leih-Fiets

Umweltfreundliche Mobilität und Integration fördern

Die Flüchtlingshilfe Senden (Fahrradwerkstatt, rechts im Bild zweiter Vorsitzender Lothar Kern) und ihr Team leisten technische Unterstützung bei dem Projekt. Foto: Christian Besse, WN

Senden – Lücken im Mobilitätsnetz durch Leihfahrräder schließen: Für dieses Vorhaben ziehen Agenda 21-Gruppe, Flüchtlingshilfe Senden und Gemeindeverwaltung an einem Strang. Als erste Etappe soll die Verbindung zwischen Park-and-Ride-Bushaltestelle und Bahnhof Bösensell per Drahtesel verbessert werden. Von Dietrich Harhues, Mittwoch, 26.06.2019

Der Begriff erlebt eine inflationäre Verwendung, doch hier passt er: Was Agenda-21-Gruppe, Flüchtlingshilfe Senden und Gemeinde auf die Beine stellen, bedeutet eine Win-Win-Situation. Sie schieben mit vereinten Kräften ein Mobilitätsprojekt an. Gemeinsam sollen Leihfahrräder angeboten werden, die – im ersten Schritt – eine Verbindung zwischen der Bushaltestelle „Park and Ride“ und dem Bahnhof Bösensell schaffen sollen. „Dort klafft eine Lücke zwischen Bus und Bahn“, betonte Bürgermeister Sebastian Täger . Und lieferte damit am Dienstagabend im Sozialausschuss die Begründung, warum die Pilotphase des Projektes an diesen Standorten angesiedelt wird. Weiterlesen in WN